Die US-Zwischenwahlen brachten einen deutlichen Umschwung zugunsten der Demokraten mit sich, die allem Anschein nach die Kontrolle über das Repräsentantenhaus sowie den Senat errungen haben.
Was bedeuten jetzt die letzten zwei, nun stärker eingeschränkten Amtsjahre für Präsident Trump – und was für Anleger? Jupiters Fondsmanager teilen ihre Einschätzungen.
Amadeo Alentorn, Lead Investment Manager, Systematic Equities:
„Ein demokratisch geführter Kongress wird die Handlungsfähigkeit der Regierung bei der Verabschiedung von Gesetzen einschränken; politische Initiativen dürften damit verstärkt über Dekrete des Präsidenten erfolgen, welche wiederum einer schärferen parlamentarischen Kontrolle unterliegen werden. Die Wähler schienen insbesondere über die gestiegenen Lebenshaltungskosten (die annualisierte VPI-Inflation stieg im September auf 3,7 %) sowie den anhaltenden Krieg zwischen den USA und dem Iran besorgt zu sein.
Obwohl die Zwischenwahlen zweifellos von Bedeutung sind, könnte man argumentieren, dass das Ergebnis lediglich einen weiteren Tropfen im Meer der Ungewissheit darstellt. Tatsächlich signalisieren unsere systematischen Indikatoren bereits seit geraumer Zeit ein erhöhtes Maß an Marktunsicherheit, wobei Bedenken hinsichtlich der Bewertungen, der Marktkonzentration und des KI-Zyklus bei Anlegern für anhaltendes Unbehagen sorgen. Letztlich gehen wir nicht davon aus, dass die Wahl die ohnehin ausgeprägte Unsicherheit maßgeblich vertiefen wird. Entscheidend ist für uns vielmehr, in diesem unsicheren Umfeld gezielt Opportunitäten zu identifizieren. Wir sind überzeugt, dass ein disziplinierter und dynamischer Ansatz dabei der wesentliche Erfolgsfaktor sein wird.“
Ned Naylor-Leyland, Investment Manager, Gold & Silber:
„Die US-Wähler haben ihre Unzufriedenheit über den Kaufkraftverlust des Dollars zum Ausdruck gebracht. Die Regierung hat sich als unfähig erwiesen, steigende Preise und die Lebenshaltungskosten unter Kontrolle zu bringen.
Anleger in Gold und Silber interessiert vor allem, ob die Wahlergebnisse die allgemeine Preisbildung an den Anleihe- und Aktienmärkten beeinflussen werden. Die finanziellen Rahmenbedingungen fühlen sich restriktiv an. Jedes Anzeichen dafür, dass Vermögenspreise unter Druck geraten könnten, könnte die Realzinsen senken und den Spotpreisen für Gold und Silber in US-Dollar Auftrieb verleihen.
Aus meiner Sicht bleibt das längerfristige makroökonomische Argument für eine anhaltende Geldentwertung intakt. Unter Geldentwertung versteht man hierbei den Verlust der Kaufkraft einer Währung. Anleger können sich dagegen absichern, indem sie Kapital aus Fiat-Währungen wie dem US-Dollar abziehen und in unkorrelierte Sachwerte wie Edelmetalle - Gold und Silber - umschichten.“
Valerio Angioni, Investment Director, Fixed Income:
„Dass die Demokraten sowohl das Repräsentantenhaus als auch den Senat gewinnen, könnte es der aktuellen Regierung erschweren, ihre politische Agenda umzusetzen – wenngleich der Spielraum für tiefgreifende politische Kurswechsel durch das Vetorecht des Präsidenten begrenzt bleibt.
Die Kontrolle über den Senat könnte sich zudem auf die Bestätigung von Präsidentschaftskandidaten für Schlüsselpositionen auswirken, einschließlich der Ernennungen in die Federal Reserve. Der unmittelbare Fokus dürfte kurzfristig auf den Verhandlungen über den Bundeshaushalt und die Schuldenobergrenze liegen. Diese Gespräche könnten sich zäher gestalten und das Risiko eines Government Shutdowns oder neuer Spannungen rund um das Schuldenlimit erhöhen. Jeder schlussendliche Kompromiss dürfte mit höheren Ausgaben einhergehen und das Defizit weiter vergrößern. Zudem ist mit einer schärferen parlamentarischen Prüfung von Investitionen in Künstliche Intelligenz und Rechenzentren sowie mit möglichen Anpassungen bei Zöllen, der Finanzmarktregulierung und Arzneimittelpreisen zu rechnen.
Die Auswirkungen auf die Märkte sind nicht eindeutig. Einerseits könnten neue Hürden beim Ausbau der KI-Infrastruktur die Aktienkurse und letztlich das Wirtschaftswachstum belasten, was die Anleiherenditen nach unten drücken könnte. Andererseits könnte eine erneute fiskalische Unsicherheit rund um die Schuldenobergrenze für zusätzliche Volatilität bei US-Staatsanleihen sorgen – insbesondere am langen Ende der Zinskurve.“
Andrew Rubins, Investment Analyst, Fixed Income (zu den Auswirkungen auf US-Healthcare-Unternehmensanleihen)
„Eine demokratische Mehrheit in beiden Kammern verschafft der Partei größeren Einfluss auf die Gesetzgebungsagenda sowie die Möglichkeit, Untersuchungen gegen die Regierungsführung einzuleiten. Allerdings erschwert das Vetorecht des Präsidenten wesentliche Reformen in der Gesundheitspolitik auf kurze Sicht.
Die Demokraten dürften sich vor allem darauf konzentrieren, die erweiterten Prämienzuschüsse für den Versicherungsmarkt im Rahmen des Affordable Care Act (ACA) wiederherzustellen oder zu verlängern, die Kürzungen und Auflagen für Medicaid aus dem Jahr 2025 abzufedern sowie weitere Maßnahmen zur Regulierung von Medikamentenpreisen und Medicare voranzutreiben. Sie könnten zudem parlamentarische Anhörungen und Kontrollrechte nutzen, um Gesundheitsbehörden und die Umsetzung politischer Maßnahmen genauer zu durchleuchten.
Einige Krankenhausbetreiber könnten im Zeitverlauf profitieren, sollten Gesetzesänderungen die Zahl der unversicherten Patienten und die Kosten für unvergütete Behandlungen verringern – insbesondere Einrichtungen mit einem höheren Anteil an Medicaid- und ACA-Patienten. Die Auswirkungen dürften sich jedoch von Haus zu Haus unterscheiden, und jede Richtungsänderung setzt entsprechende Gesetzgebungsverfahren voraus. Bestehende Regelungen bleiben derweil in der Pipeline, darunter die Arbeitsanforderungen für Medicaid ab 2027 sowie die schrittweise Einführung von Obergrenzen für staatlich gelenkte Krankenhauszahlungen ab 2028. Für den operativen Ausblick erwarte ich daher vorerst kaum unmittelbare Veränderungen; er bleibt weiterhin primär an die geltende Rechtslage, Beschlüsse auf Medicaid-Ebene sowie den individuellen Zahler-Mix der jeweiligen Krankenhäuser gekoppelt.“
Anton Kyriakides, Investment Analyst (zu den Auswirkungen auf den Solarsektor)
„Die demokratische Welle wird als Unterstützung für Unternehmen entlang der Lieferkette für saubere Energien gewertet. Solaraktien legten zu, da Investoren auf stärkere Rückendeckung aus dem Kongress und Gegenwind für Trumps solarfeindliche Politik setzen. Diese Entwicklung fiel mit einer Rotation weg von KI-bezogenen Titeln zusammen und kehrte einen Teil der negativen Marktstimmung um, die entstanden war, nachdem der sogenannte ‚One Big Beautiful Bill‘ (OBBB) die Steueranreize des IRA gekürzt hatte. Gleichwohl spiegelt diese Kursbewegung eher Erwartungen hinsichtlich künftiger Unterstützungsmaßnahmen wider als die tatsächliche Wiedereinführung bereits gestrichener Steuergutschriften.“
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