Anleihen: Richtig aufgestellt für unsichere Zeiten

Ariel Bezalel und Harry Richards analysieren das globale makroökonomische Umfeld und seine Bedeutung für die Anleihenmärkte.
19 Februar 2026 5 Minuten

Das globale makroökonomische Umfeld ist innerhalb kurzer Zeit deutlich unsicherer geworden, nachdem es Ende 2025 noch weitgehend dem wirtschaftlichen Idealzustand zu entsprechen schien, auch bekannt als „Goldilocks“-Szenario: einer soliden Wachstumsdynamik gepaart mit einer nachlassenden Inflation.

Die disinflationären Kräfte schienen sich durchzusetzen: Die Dienstleistungsinflation ließ nach und die Energiepreise waren stabil, während sich die Arbeitsmärkte abkühlten. Alles schien darauf hinzudeuten, dass sich die Inflation normalisieren könnte, ohne dass das Wachstum leidet.

Inzwischen haben wir es mit einem deutlich komplexeren Zusammenspiel von Wachstum, Inflation und Politik zu tun.

In den USA setzt die Trump-Administration verschiedene fiskalische und andere Hebel in Bewegung, um die Konjunktur vor den Zwischenwahlen im Herbst anzukurbeln. Jüngste politische Signale deuten darauf hin, dass die US-Regierung bereit ist, für ihr Ziel eines höheren nominalen Wachstums zumindest kurzfristig eine höhere Inflation in Kauf zu nehmen. Ihre gelassene Haltung gegenüber dem Wertverfall des Dollars signalisiert ein künftige Priorisierung von Wachstum und Binnenkonjunktur.

Gleichzeitig scheint die Regierung entschlossen, den Aufwärtsdruck auf die Kosten der Staatsverschuldung zu begrenzen. Dadurch steht sie vor einem schwierigen Balanceakt, bei dem die US-Notenbank (Fed) eine entscheidende Rolle spielen wird.

In Verbindung mit dem schwächeren Dollar haben die zuletzt hohen Rohstoffpreise Befürchtungen genährt, dass die Inflation früher wieder anziehen könnte als erwartet – trotz der Entspannung am Arbeitsmarkt und der sinkenden Wohnkosteninflation. Zum Teil könnte diese Entwicklung auf temporäre Faktoren wie wetterbedingte Schwankungen der Erdgaspreise zurückzuführen sein. Daher sollten kurzfristige Inflationssignale mit Vorsicht bewertet werden.

Regimewechsel

Ende Januar wurde Kevin Warsh von Präsident Trump für den Fed-Vorsitz nominiert. Obwohl sich Warsh zuletzt für niedrigere Zinsen ausgesprochen hat, gilt er aufgrund seiner früheren geldpolitischen Positionen und Äußerungen eher als Falke, vor allem in Bezug auf die Bilanzpolitik der Fed.

Warshs Ernennung lässt keinen radikalen Kurswechsel, sondern eher schrittweise Änderungen der Fed-Politik erwarten. Im aktuell unsicheren Umfeld dürfte die Zentralbank weiterhin vorsichtig agieren. Daher sollten sich Marktteilnehmer vor allem auf geldpolitische Feinjustierungen einstellen.

Dem Direktorium der Fed gehörte Warsh bereits von 2006 bis 2011 an, und er ist nicht die einzige neue Personalie: Mehrere weitere stimmberechtigte Mitglieder, die dem Gremium 2026 neu beitreten, könnten die Zentralbankpolitik stärker in eine restriktive Richtung lenken.

Allerdings dürfte der Richtungswechsel begrenzt bleiben. Die Fed agiert weiterhin innerhalb fester institutioneller, rechtlicher und politischer Rahmenstrukturen. Zudem ist ihr Offenmarktausschuss, der unter anderem die Zinssätze festlegt, immer noch sehr breit aufgestellt. Das begrenzt das Risiko abrupter Kurswechsel.

Vor Warshs Nominierung hatten die Märkte mit einem Kandidaten gerechnet, der für eine deutlich akkommodierendere Haltung steht.

Die Märkte reagierten mit leichten Verlusten auf Trumps Personalentscheidung, während der Dollar kurzzeitig erstarkte.

Globale Erwartungen

Außerhalb der USA könnten starke Währungen in mehreren entwickelten Märkten – darunter Australien, Neuseeland und die Eurozone – den Rückgang der Inflation unterstützen und den betreffenden Zentralbanken größere Handlungsspielräume eröffnen.

Auch wenn die Währungshüter der Eurozone froh über die Eindämmung der Inflation sein werden, haben sie weiterhin mit tiefen strukturellen Wachstumshemmnissen zu kämpfen. Der Wettbewerb aus China und die geringe Produktivität lähmen die Industrie. Die fragmentierte politische Landschaft und Haushaltsprobleme auf der anderen Rhein-Seite in Frankreich werden den EZB-Entscheidern in Frankfurt ebenfalls sehr bewusst sein. Risiken gibt es viele.

Für positive Signale müssen die Zentralbanker der Eurozone lediglich einen Blick auf die Peripherieländer der Währungsunion werfen. Darüber hinaus sticht Großbritannien als attraktiver entwickelter Markt heraus: Hohe Renditen, der schwächere Arbeitsmarkt und bessere Inflationsausblick sowie eine glaubwürdige Haushaltskonsolidierung dürften zu einer Outperformance britischer Staatsanleihen führen.

In Australien und Neuseeland haben die Märkte angesichts der positiven wirtschaftlichen Entwicklung der letzten Quartale eine höhere Wahrscheinlichkeit für Zinserhöhungen eingepreist. In Australien mag Vorsicht geboten sein, die Markterwartungen in Neuseeland erscheinen jedoch teilweise überzogen, sodass Anleger hier in einzelnen Segmenten des Anleihenmarktes weiterhin attraktive Chancen finden sollten.

Wie es weitergeht

Diese positiven Aspekte ändern nichts daran, dass das geopolitische Umfeld unsicher bleibt. Mit seinen Grönland-Plänen, der Festnahme und Absetzung des venezolanischen Präsidenten und seiner harte Rhetorik gegenüber dem Iran sorgt Trump für Nervosität. Angesichts seines weitgehend einseitigen und transaktionalen Vorgehens und seiner wiederholten Zollandrohungen stellen einige Verbündete, nicht nur in Europa, die Zuverlässigkeit der USA als strategischen Partner in Frage.

Sorgen über die Tragfähigkeit der Staatsverschuldung, insbesondere in entwickelten Volkswirtschaften, hat viele Anleger dazu veranlasst, in Sachwerte oder Emerging-Market-Anleihen zu investieren. Einige Schwellenländer überzeugen mit einer vergleichsweise geringen Schuldenlast und vorteilhaften demografischen Dynamik. Außerdem haben ihre Zentralbanken die Inflation entschlossen bekämpft.

Das alles signalisiert einen konstruktiven Ausblick für globale Staatsanleihen und ein diversifiziertes Engagement in Großbritannien, den Euro-Peripherieländern und Neuseeland. 

Das gemischte Bild in den USA spricht dafür, US-Anleihen primär zur Absicherung und weniger als Kernbaustein zu halten.

An den Kreditmärkten könnten „Air Pockets“ – plötzliche Kurseinbrüche in einem dünnen Handel – ein Risiko darstellen. Vor dem Hintergrund eines moderaten Wachstums, einer akkommodierenden Geldpolitik und weitgehend solider Fundamentaldaten dürften die Spreads jedoch stabil bleiben oder sich nur leicht ausweiten. Die Bewertungsunterschiede zwischen verschiedenen Sektoren sprechen für eine defensive Ausrichtung mit Fokus auf Branchen wie Gesundheit, Kommunikation und Basiskonsumgüter, während Anleihen aus dem Finanzsektor auf der Grundlage der relativen Bewertung und Bilanzstärke attraktiv bleiben.

Eine ideale Balance aus Wachstum und Inflation scheint einem unsicheren Umfeld für Fixed-Income-Anleger gewichen zu sein. Die fiskal- und geopolitische Ausrichtung der USA ist unberechenbarer geworden. Das erhöht die Komplexität für Anleger. Im aktuellen Umfeld gilt es, Märkte mit glaubwürdigen politischen Institutionen und positiven fundamentalen Trends zu identifizieren. Das macht ein aktives Management und eine sorgfältige Kreditauswahl wichtiger denn je, und wir sehen uns mit unserem flexiblen Ansatz auf absehbare Zeit gut positioniert.

 

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