Im Monat Mai verzeichneten die europäischen Aktienmärkte erneut Gewinne. Die Investoren zeigten sich angesichts des Konflikts im Nahen Osten weiterhin zuversichtlich und hofften implizit auf eine baldige Lösung.
Der Markt wies jedoch eine gewisse Einseitigkeit auf. Sogenannte „KI-Gewinner“ (oder die Zulieferer dieser KI-Gewinner) schnitten gut ab, wohingegen Versorger zu den Nachzüglern zählten. Dies stand möglicherweise im Zusammenhang mit steigenden Renditen von Staatsanleihen und höheren Einstiegsbewertungen nach einer starken Kursentwicklung im vergangenen Jahr.
Die Bewertungsniveaus an den globalen Aktienmärkten haben in den letzten Monaten zunehmend Aufmerksamkeit erregt. Vor diesem Hintergrund lohnt es sich, daran zu erinnern, dass europäische Aktien verglichen zu anderen Aktienmärkten - insbesondere den USA - ganz anders bewertet sind. Der europäische Marktindex notiert weitaus näher an seinen langfristigen durchschnittlichen Multiplikatoren als seine US-amerikanischen und globalen Pendants.
Die Bewertung des US-Marktes liegt deutlich über Europa – im absoluten wie auch historischen Vergleich
Zyklisch bereinigtes Kurs-Gewinn-Verhältnis
Bewertungen erzählen jedoch nur einen Teil der Geschichte – ein weiteres wichtiges Thema ist die Marktkonzentration. Wir weisen schon seit einiger Zeit darauf hin, wie stark der US-Aktienmarkt auf die Top-10-Aktien und den Technologiesektor konzentriert ist. Was möglicherweise noch wichtiger ist: Der MSCI World Index ist in mancher Hinsicht kaum mehr als ein „S&P lite“.
Die Konzentration des US-Marktes wird zunehmend unangenehm
Marktkonzentration der Top-10-Werte als prozentualer Anteil der Marktkapitalisierung
Noch extremer ist diese Dominanz des Technologiesektors in den asiatischen Märkten und im MSCI Emerging Markets, die uns zunehmend wie „Tech-Hardware“-Indizes erscheinen.
Technologie dominiert Kernmärkte – doch Europa ist anders
Branchenzusammensetzung: IT, interaktive Medien & Dienstleistungen vs. Andere Branchen
Die Top-5-Indexwerte für wichtige Marktindizes. Fett gedruckte Namen sind Unternehmen aus den Bereichen Informationstechnologie, interaktive Medien & Dienstleistungen.
| MSCI North America | MSCI World | MSCI Emerging Markets | MSCI Asia ex. Japan | MSCI Europe |
| NVIDIA (7,4%) | NVIDIA (5,6%) | TSMC (14,5%) | TSMC (16,1%) | ASML (4,4%) |
| Apple (6,7%) | Apple (5,0%) | Samsung Electronics (7,8%) | Samsung Electronics (8,7%) | HSBC (2,3%) |
| Microsoft (4,6%) | Microsoft (3,5%) | SK hynix (6,6%) | SK hynix (7,4%) | Roche (2,1%) |
| Amazon (3,8%) | Amazon (2,9%) | Tencent (2,7%) | Tencent (3,0%) | AstraZeneca (2,0%) |
| Alphabet (3,2%) | Alphabet (2,0%) | Alibaba (2,1%) | Alibaba (2,3%) | Novartis (2,0%) |
| Top 5 Gesamt: 25,7% | Top 5 Gesamt: 19,5% | Top 5 Gesamt: 33,7% | Top 5 Gesamt: 37,5% | Top 5 Gesamt: 12,8% |
Quelle: Bloomberg, Stand: 31.05.2026. Die Unternehmensbeispiele dienen nur zu Illustrationszwecken und stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar.
Die wichtigste Erkenntnis aus all dem ist, dass Investoren sich bewusst sein sollten, was sie kaufen. Die mangelnde Diversifikation – und insbesondere die hohe Konzentration auf Technologieunternehmen – innerhalb der Indizes S&P 500, MSCI World und MSCI Emerging Markets hat Auswirkungen auf die Ausgewogenheit eines Gesamtportfolios.
In diesem Zusammenhang lohnt es sich, die Rolle europäischer Aktien zu betrachten. Sie fungieren in erster Linie als Alpha-Generator, spielen aber auch eine wichtige Rolle als diversifizierendes Element. Wir versuchen keineswegs, uns vor Chancen bei Unternehmen zu verschließen, die führende Produkte und Dienstleistungen für die Trends der Elektrifizierung und Digitalisierung anbieten. Wir sind jedoch überzeugt, dass auch Europa in diesem Bereich einige einzigartige Industrieunternehmen sowie Technologien rund um Halbleiterausrüstung zu bieten hat.
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