Kein Trend hat die Aktienmärkte in den letzten Jahren so sehr geprägt wie der KI-Boom, von dem insbesondere US-amerikanische Tech-Schwergewichte wie Nvidia profitiert haben, aber auch Hersteller von Halbleitern und Speicherchips aus Nordasien.
Durch das hohe Gewicht der US-Technologiewerte in den wichtigsten globalen Aktienindizes dürften Anlageportfolios, die sehr stark an diesen globalen Benchmarks ausgerichtet sind, heute einem deutlich höheren Einzelthemenrisiko ausgesetzt sein.[1] Während die Märkte die gewaltigen KI-Investitionen der Tech-Riesen bislang positiv bewerten, gibt es Zweifel an der Rentabilität dieser Investitionen und die Sorge, dass künftige Enttäuschungen in einem überhitzten Markt zu Kurseinbrüchen führen könnten.
Wie sollten Anleger diesem Risiko begegnen? Eine Möglichkeit ist eine stärkere Umschichtung in Aktien, die von einer KI-Blase weniger stark betroffen wären. Aus Sicht einiger Investoren ist ein Engagement am indischen Aktienmarkt so etwas wie eine Absicherung gegen überhöhte KI-Bewertungen, da es in Indien – zum Beispiel im Vergleich zu den USA, Taiwan und Korea – nur relativ wenige börsennotierte Unternehmen gibt, deren Geschäftsmodelle stark vom KI-Trend abhängen. Damit soll keineswegs das transformative Potenzial dieser Technologie negiert werden – es geht lediglich darum, Portfolios besser gegen das in diesem Bereich entstandene Bewertungs- und Konzentrationsrisiko abzuschirmen. Wenn die Kurse der KI-Schwergewichte eine nahezu vollständige Monetarisierung ihrer KI-Investitionen eingepreist haben, kann ein Engagement in Märkten mit weniger direkten KI-Nutznießern eine bessere Absicherung gegen mögliche Enttäuschungen bieten.
Geringere Abhängigkeit von KI-Ausgaben
Am indischen Markt gibt es kaum Halbleiter- oder sonstige KI-Werte. Stattdessen dominieren auf den Heimatmarkt ausgerichtete Unternehmen aus dem Banken-, Telekommunikations- und Konsumsektor sowie traditionelle Industrie- und Energiewerte. Im Vergleich zu den USA ist auch Indiens Wirtschaft weniger abhängig vom KI-Investitionsboom, der einen erheblichen Anteil am Wachstum der US-Wirtschaft im zurückliegenden Jahr hat.
Eine Wette gegen KI ist ein Engagement am indischen Markt dagegen ganz und gar nicht: In kaum einem anderen Markt der Welt setzen sich KI-Anwendungen derzeit so schnell durch wie in Indien. Eine riesige, mehrsprachige Nutzerbasis, die weite Verbreitung von Smartphones und günstige Daten fördern die schnelle Verbreitung von KI-Anwendungen. Für globale KI-Anbieter und Cloud-Unternehmen ist Indien ein wichtiger Absatzmarkt, an dem sie – oft mit subventionierten Services oder Paketangeboten – um Marktanteile kämpfen.
Aus Anlegersicht ist vor allem wichtig, dass Indien auch dann wirtschaftlich profitieren kann, wenn die sichtbarsten KI-Gewinne anderswo erzielt werden: Ausländische KI-Investitionen und die Expertise vor Ort können den raschen Ausbau lokaler Cloud- und Rechenzentren und eine schnellere Verbreitung von Produktivitätstools in verschiedenen Dienstleistungsbereichen vorantreiben und zu einer steigenden Nachfrage nach Anwendungsexperten durch IT-Service-Firmen und globale Kompetenzzentren führen. In diesem Sinne ist ein Engagement am indischen Aktienmarkt weniger eine Wette gegen die KI als gegen die KI-Konzentration – eine Wette gegen die hohe Gewichtung einer kleinen Gruppe teurer KI-Gewinner und eine Wette auf die Gewinner der Zweitrundeneffekte des KI-Booms.
BIP- und Gewinnwachstum
Indische Aktien sind in internationalen Anlageportfolios unterrepräsentiert. Dadurch kann ein Engagement an diesem Markt auch Diversifikationsvorteile mit sich bringen. Tatsächlich ist Indien eine der größten untergewichteten Positionen in globalen Emerging-Market-Fonds. Nachdem Anleger dem Markt in der zweiten Jahreshälfte 2024 den Rücken kehrten und, angelockt durch ein staatliches Konjunkturpaket, in chinesische Aktien umschichteten, durchlief der indische Markt eine Phase der Konsolidierung, die zu günstigeren Bewertungen führte. Gleichzeitig wurden die Prognosen für das indische BIP-Wachstum auf rund 7,5% angehoben[1] (von 6,5%) und die Unternehmensgewinne haben sich verbessert. Was noch fehlt, ist ein Stimmungsumschwung, nachdem Verzögerungen beim erwarteten Handelsabkommen zwischen den USA und Indien im Spätsommer 2025 für negative Schlagzeilen sorgten.
Handelsabkommen mit den USA
Vor diesem Zollschock hatten ausländische Investoren begonnen, auf den indischen Markt zurückzukehren; in der Folge setzten die Abflüsse wieder ein. Das am 2. Februar angekündigte Handelsabkommen zwischen den USA und Indien senkt den Zollsatz für indische Warenexporte in die USA von 50% auf 18%. Das könnte eine positive Wende in der Stimmung ausländischer Investoren und möglicherweise auch in den Kapitalströmen bewirken. Mit seiner positiven Wortwahl bei der Ankündigung des Abkommens und seiner bewussten Betonung der starken Beziehung zwischen den USA und Indien zeigte sich der US-Präsident sichtbar bemüht, geopolitische Sorgen zu zerstreuen.
Allein aus inländischen Ersparnissen fließen jährlich rund 67 Milliarden US-Dollar in den indischen Aktienmarkt. Sollte diese Kapitalzufuhr durch zusätzliche Zuflüsse aus dem Ausland gestärkt werden, könnte das ein Katalysator für den Markt sein. Angesichts der klareren langfristigen Wachstumsperspektiven der indischen Wirtschaft halten wir es für gerechtfertigt, dass indische Aktien mit einem Aufschlag gegenüber anderen Märkten gehandelt werden. Im Sommer 2024 erschien diese Prämie überhöht. Seither hat sich der indische Aktienmarkt jedoch schwächer entwickelt als andere globale Märkte, sodass die relativen Bewertungen jetzt wieder auf ein normaleres Niveau zurückgekehrt sind.
Sollte die KI-Blase platzen, hätte das vermutliche eine kurzfristige Marktvolatilität zur Folge, gegen die kein Markt völlig immun wäre. Es gibt jedoch viele Gründe zu der Annahme, dass sich der indische Markt vergleichsweise widerstandsfähig zeigen könnte und in Bezug auf die Fundamentaldaten, die die Entwicklung der Aktienkurse über längere Zeiträume bestimmen, weniger stark betroffen wäre.
Fußnoten
1Stand 31.12.2025 waren acht US-Tech-Aktien, die Magnificent Seven und Broadcom, die größten Aktien im MSCI World Index nach ihrem Indexgewicht. https://www.msci.com/www/fact-sheet/msci-world-index/05830501
2Pressemitteilung der Regierung. 07.01.2026 https://www.mospi.gov.in/uploads/latestreleasesfiles/1767782498513-GDP%20Press%20Note%20on%20FAE%202025-26.pdf
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