Technologieunternehmen geben Asiens Aktienmärkte Rückenwind

Sam Konrad und Jason Pidcock reflektieren die Outperformance des asiatischen Tech-Sektors, ihre Gespräche mit den Unternehmen vor Ort und die Bedeutung einer breiten Diversifikation.
21 Mai 2026 4 Minuten

Die Technologie ist weiterhin der dynamischste Sektor in Asien – wie in den meisten anderen Märkten auch –, und aus unserer Sicht hat dieser Trend noch Potenzial. Die jüngsten Ergebniszahlen und Geschäftsaussichten der wichtigsten Technologieunternehmen der Region sowie die aggressiven Investitionspläne der US-Technologieunternehmen führten im April zu zweistelligen Kursgewinnen an den Börsen in Korea und Taiwan. Technologie war im vergangenen Monat der stärkste Sektor in der Region, ebenso wie im zurückliegenden Jahr.1

Technologie macht inzwischen mehr als 41 % des MSCI Asia ex-Japan Index nach Gewicht aus, und Taiwan ist mit 28 % inzwischen der größte Markt im Index und hat China mit 26 % überholt 2 Samsung Electronics ist kürzlich nach Taiwan Semiconductor das zweite asiatische Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von 1 Billion US-Dollar geworden.

KI und Roboter

Wir haben bereits zuvor über die Dynamik der Technologieunternehmen in der Region geschrieben. Unserer Ansicht nach ist die Lieferkette des asiatischen Technologiesektors, einschließlich der Unternehmen in Taiwan und Korea, der beste Weg, um in das Wachstum der künstlichen Intelligenz zu investieren. Für diese Unternehmen, darunter Taiwan Semiconductor (Chipfertigung) sowie SK Hynix und Samsung Electronics (Speicherchips), spielt es keine Rolle, welches der konkurrierenden Large Language Models, die KI antreiben, sich am Ende durchsetzt – oder welche Unternehmen bei agentischer KI oder physischer KI, etwa humanoiden Robotern, das Rennen machen. Jeder künftige Gewinner wird wahrscheinlich auf die Halbleiter-, Speicher- und Server- sowie Roboter-Fertigungskapazitäten der in Asien ansässigen Unternehmen angewiesen sein.

Diese Zulieferunternehmen werden zu attraktiven Bewertungen gehandelt, die deutlich unter denen der großen US-Technologiewerte liegen, und in einigen Fällen werden die asiatischen Unternehmen auf Basis des Kurs-Gewinn-Verhältnisses sogar günstiger bewertet, weil ihre Gewinne schneller wachsen als ihre Aktienkurse.

Zudem verfügen diese Unternehmen über solide Bilanzen und zahlen Dividenden, von denen wir erwarten, dass sie in den kommenden Jahren deutlich wachsen werden.

Chipnachfrage

Die Nachfrage nach Halbleitern übersteigt das Angebot. Wir sprechen regelmäßig mit den wichtigsten Technologieunternehmen der Region, und diese teilen uns mit, dass sie auch im kommenden Jahr und im Jahr darauf mit einem robusten Geschäft rechnen. Das gibt uns die Zuversicht, dass der Höhepunkt der Nachfrage noch in weiterer Ferne liegt.

Der Konflikt im Nahen Osten erhöht die Unsicherheit für den Marktausblick, insbesondere mit Blick auf die Energieversorgung und die Inflation. Wir behaupten nicht, einen Einblick darin zu haben, wie oder wann der Krieg mit dem Iran enden wird. Die Unternehmen in Asien, mit denen wir gesprochen haben, zeigen sich bislang jedoch vergleichsweise gelassen und berichten, dass sie über ausreichende Energie- und Rohstoffversorgung verfügen.

Ein ausgewogener Unternehmensmix

Zu unseren Kernüberzeugungen als langjährige aktive Investoren in der Region gehört die Bedeutung eines breit diversifizierten Aktienportfolios. Wir konzentrieren uns darauf, ein Portfolio für alle Marktphasen aufzubauen, das auch in Zeiten erhöhter Volatilität Bestand haben kann. Das kann bedeuten, eine ausgewogene Mischung von Unternehmen mit Engagements in der US- und globalen Nachfrage zu halten, insbesondere im Technologiesektor, sowie Unternehmen, die Produkte und Dienstleistungen an inländische Verbraucher in Indien, Südostasien und Australien verkaufen, wo die Nachfrage auch dann robust bleiben sollte, wenn sich das globale Wachstum verlangsamt. Ebenso kann dies bedeuten, Energieunternehmen, Produzenten von Rohstoffen wie Gold und Kupferminen sowie Rüstungsunternehmen im Portfolio zu halten.

Aus unserer Sicht ist es sinnvoll, liquide Großunternehmen mit realen Cashflows und bewährten Managementteams zu halten. Wir suchen nach einer Kombination aus Wachstum und Bewertung – also Unternehmen, deren Gewinne steigen und die dadurch in der Lage sind, wachsende Dividendenströme zu liefern, die angemessen bewertet sind, über eine starke Bilanz verfügen und gut geführt werden.

Das Beste aus beiden Welten

Aus unserer Sicht sind Taiwan, Australien, Singapur, Südkorea und Indien die attraktivsten Länder für Anleger in der Region. Diese fünf Länder bieten unserer Meinung nach die beste Kombination aus entwickelten und Schwellenmärkten.

Wir investieren nicht in chinesische Unternehmen, weil wir China nicht für anlegerfreundlich halten und weil wir glauben, dass die Volkswirtschaft mit erheblichen strukturellen Herausforderungen konfrontiert ist. Zudem sind wir der Ansicht, dass sich die geopolitischen Spannungen zwischen China und den USA sowie anderen großen Demokratien weltweit im Zeitverlauf verschärfen werden.

Zum Zeitpunkt der Abfassung dieser Einschätzung ist die wirtschaftliche Dynamik weltweit insgesamt positiv und erweist sich bislang als widerstandsfähig. Wir bleiben für Aktien aus dem asiatisch-pazifischen Raum ohne China im Jahr 2026 vorsichtig optimistisch. Die Märkte entwickeln sich ständig weiter, doch derzeit halten wir stärkere Renditen im ersten Halbjahr für möglich, während im zweiten Halbjahr mehr Risiken bestehen könnten, insbesondere im Zusammenhang mit den US-Zwischenwahlen.

 

Fußnoten

1Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Erträge.

 2JPMorgan Note, Stand 4.5.2026, unter Bezugnahme auf Daten von MSCI und Bloomberg.

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