Die vergangenen zwei Jahre waren für Anleger in indischen Aktien herausfordernd, während der Emerging-Markets-Index von einer Handvoll nordasiatischer KI-Profiteure nach oben getragen wurde. Der MSCI India hat den MSCI Emerging Markets seit Jahresbeginn inzwischen um rund 35 % unterperformt¹ – eine Abweichung, die in dieser Größenordnung selten vorkommt und deutlich von dem Fünfjahresdurchschnitt von rund +21 % abweicht. Ausländische Kapitalströme folgten dieser Entwicklung: Kapital floss aus Indien ab und in den koreanischen und taiwanesischen Halbleitersektor.
Für langfristig orientierte Anleger beginnt die eigentliche Arbeit meist genau an diesem Punkt. Wenn sich die relative Performance so stark auf eine einzige Anlagestory konzentriert, stellen sich zwei entscheidende Fragen:
- Hat sich das, was verkauft wird, tatsächlich verschlechtert?
- Hat sich das, was gekauft wird, tatsächlich verbessert – und zwar auf mehr als einer Ebene?
Aus unserer Sicht sprechen die Antworten auf beide Fragen nicht dafür, der Masse zu folgen.
Indien ist der Qualitätsmarkt unter den Schwellenländern – ohne die übermäßige Konzentration auf KI-Gewinner
Die Rallye in den Schwellenländern war eng gefasst. Kapital floss vor allem in einige wenige Speicherchip- und Halbleiterunternehmen in Südkorea und Taiwan, die als Gewinner des KI-Booms gelten. Der breit aufgestellte NSE 500 hingegen wird von einer Vielzahl von Unternehmen aus den Bereichen Finanzwesen, Konsum, Gesundheitswesen, Energie, Industrie und Luftfahrt getragen.
Wichtig ist dabei, dass das Konzentrationsrisiko des NSE 500 deutlich geringer ist als das des MSCI Emerging Markets. Die sogenannte Effective Number of Stocks (ENS), ein Maß dafür, wie viele Aktien tatsächlich die Entwicklung eines Index bestimmen, liegt beim NSE 500 bei rund 15 % der Indexmitglieder beziehungsweise etwa 75 Unternehmen. Beim MSCI Emerging Markets liegt dieser Wert lediglich bei rund 6 %.²
Zudem basiert das Wachstum auf einer qualitativ stärkeren Grundlage. Indische Unternehmen erzielen eine mediane Eigenkapitalrendite (ROE) von rund 15 % über fünf Jahre und liegen damit deutlich über der Spanne von 8 bis 12 %, die in anderen großen asiatischen Schwellenländern zu beobachten ist. Die Profitabilität nähert sich damit eher dem Niveau europäischer Industrieländerindizes an. Die mediane Gewinnmarge über drei Jahre liegt bei 12 % und entspricht damit dem Niveau des S&P 500, während der Durchschnitt der Schwellenländer bei rund 9 % liegt.
Auch bei der Verschuldung liegt Indien mit einem Verhältnis von Schulden zu Vermögenswerten von lediglich 13 % am unteren Ende der Schwellenländer-Skala. Für die kommenden zwei Jahre wird für den NSE 500 ein Umsatzwachstum von 14 % erwartet – etwa doppelt so viel wie für die Schwellenländer insgesamt mit 8 %. Innerhalb der Schwellenländer erreicht lediglich Taiwan mit rund 12 % ein ähnliches Niveau. Unter den Industrieländern kommt nur die Nasdaq auf vergleichbare Wachstumsraten.³
Kurz gesagt: Indien bietet Wachstum, Profitabilität, attraktive Margen und starke Bilanzen. Viele andere Schwellenländer außerhalb des KI-Sektors können das zunehmend nicht mehr von sich behaupten.
Die heimische Anlegerbasis als Stabilitätsanker
Ein weiterer Grund, die aktuelle Marktmeinung zu hinterfragen, liegt darin, dass sich die Zusammensetzung der Käufer indischer Aktien grundlegend verändert hat.
In den drei Kalenderjahren bis Ende April 2026 haben ausländische Portfolioinvestoren (FPIs) rund 43 Milliarden US-Dollar aus indischen Aktien abgezogen. Im gleichen Zeitraum investierten inländische institutionelle Anleger – darunter Investmentfonds, Versicherungen, Pensionsfonds, Banken und Alternative Investment Funds – insgesamt 188 Milliarden US-Dollar. Diese Diskrepanz ist erheblich.
Inländische Investoren haben ausländische Anleger als wichtigste Käufer indischer Aktien ersetzt
Die strukturelle Veränderung ist deutlich sichtbar. Zwischen 2008 und 2017 waren ausländische Investoren die entscheidenden Käufer indischer Aktien, während die Zuflüsse heimischer Anleger im Durchschnitt lediglich rund 3 Milliarden US-Dollar pro Jahr betrugen. Seit 2018 hat sich dieses Bild umgekehrt, seit 2022 sogar sehr deutlich.
Im Kalenderjahr 2025 verzeichnete Indien mit 90 Milliarden US-Dollar den höchsten jemals gemessenen Nettozufluss heimischer Anleger. Im März 2026 kam es zum größten monatlichen Abfluss ausländischen Kapitals der gesamten Datenreihe: 14,2 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig kauften inländische Investoren Aktien im Wert von 15,4 Milliarden US-Dollar. Selbst im schwächsten Monat für ausländisches Kapital blieben die institutionellen Nettomittelzuflüsse damit positiv.
Das hat zwei wichtige Konsequenzen.
Erstens für das Verhalten des Aktienmarktes. Die Annahme, dass Verkäufe ausländischer Investoren automatisch zu Verwerfungen am indischen Aktienmarkt führen, ist mittlerweile überholt. Inländische Institutionen halten inzwischen rund 20 % der Unternehmen im Nifty 500 und damit mehr als ausländische Investoren mit etwa 17 %.⁴ Monatliche Zuflüsse über systematische Sparpläne erfolgen inzwischen mit bemerkenswerter Regelmäßigkeit. Die frühere Beziehung zwischen ausländischen Kapitalströmen und der Entwicklung des Nifty-Index hat sich verändert, weil sich die Angebots- und Nachfragestruktur grundlegend gewandelt hat.
Zweitens für die Währung. Der Rückgang der Rupie von 85 auf 95 Rupien je US-Dollar seit Anfang 2025 signalisiert aus unserer Sicht keine Verschlechterung der indischen Fundamentaldaten. Vielmehr ist er eine Folge derselben Kapitalrotation. Die heimischen Anleger, die 188 Milliarden US-Dollar in indische Aktien investierten, mussten dafür keine US-Dollar verkaufen, da sie bereits in Rupien finanziert waren. Ausländische Investoren hingegen mussten für die Rückführung ihrer 43 Milliarden US-Dollar US-Dollar kaufen. Der Devisenmarkt sieht den Bruttoabfluss ausländischen Kapitals, nicht jedoch den inländischen Ausgleich. Die Schwäche der Rupie ist daher keine eigenständige Risikoentwicklung, sondern spiegelt dieselbe Untergewichtung Indiens durch ausländische Investoren wider, die auch zur schwachen Aktienmarktentwicklung beigetragen hat.
Ausländische Investoren ziehen sich derzeit aus Indien zurück, während die heimische Anlegerbasis mit Rekordvolumen investiert, die Fundamentaldaten sich verbessern und gleichzeitig eines der diversifiziertesten Investmentuniversen innerhalb der Schwellenländer zur Verfügung steht. Genau dies entspricht dem klassischen Bild eines antizyklischen Investment-Setups.
Das Bewertungsargument – und unsere Antwort darauf
Das naheliegende Gegenargument lautet, dass all dies seinen Preis hat. Der MSCI India wird aktuell mit etwa dem 22-Fachen der vergangenen Gewinne bewertet, während der MSCI Emerging Markets bei rund dem 17-Fachen liegt.⁵ Dieser Bewertungsaufschlag von mehr als 30 % hat viele globale Schwellenländerinvestoren bislang abgeschreckt.
Ein genauerer Blick zeigt jedoch ein differenzierteres Bild. Die durchschnittliche Aktie im NSE 500 wird derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 35 gehandelt. Dies verdeutlicht insbesondere die hohen Bewertungen vieler kleiner und mittelgroßer Unternehmen.
Günstiger als die Benchmark – bei höherem Wachstum
Das Jupiter India Select Portfolio folgt einem klaren Prinzip: Wir wollen an der strukturellen Wachstumsstory Indiens – der am schnellsten wachsenden großen Volkswirtschaft der Welt – partizipieren, aber nicht zu jedem Preis.
Zum 30. April 2026 lagen die gewichteten Bewertungskennzahlen des Fonds bei sämtlichen von uns betrachteten Multiplikatoren unter denen des MSCI India, während das historische Gewinnwachstum höher ausfiel:
- Niedrigeres Kurs-Gewinn-Verhältnis als die Benchmark
- Niedrigeres Kurs-Buchwert-Verhältnis als die Benchmark
- Niedrigeres Kurs-Cashflow-Verhältnis als die Benchmark
- Höheres historisches Gewinnwachstum je Aktie über drei Jahre als die Benchmark
Wachstum zu vernünftigen Bewertungen: Der GARP-Ansatz von Jupiter India
Drei strukturelle Besonderheiten des indischen Aktienmarktes machen dies möglich.
Das attraktive Segment jenseits der Benchmark:
Der MSCI India wird stark von Mega-Caps dominiert. Gleichzeitig existiert eine Vielzahl börsennotierter Unternehmen mit Marktkapitalisierungen zwischen 1 und 5 Milliarden US-Dollar, die von Sell-Side-Analysten weitgehend unbeachtet bleiben und bei ausländischen Investoren wenig Beachtung finden. Viele globale Schwellenländerfonds verfügen nicht über die Ressourcen, um sich intensiv mit diesem Segment auseinanderzusetzen.
Unterbewertete und wenig analysierte Unternehmen:
Indien verfügt über zahlreiche große Unternehmen in unterschiedlichen Sektoren, die interessante Chancen für aktive Investoren bieten. Gründliche Analyse und Geduld sind entscheidend, um diese Potenziale zu identifizieren und zu nutzen.
Strukturelle Gewinner:
In Bereichen, in denen die Marktdurchdringung in Indien deutlich unter der anderer Schwellen- und Industrieländer liegt, existieren Unternehmen mit langfristigem Wachstumspotenzial. Private Gesundheitsdienstleister, die heimische Luftfahrtindustrie und Markenartikelhersteller erzielen häufig über viele Jahre Gewinnwachstumsraten im mittleren bis hohen zweistelligen Bereich. Auch hier bleibt die Bewertung entscheidend. Wir investieren nicht um jeden Preis in solche Unternehmen.
Das daraus resultierende Portfolio besteht überwiegend aus großen und liquiden Unternehmen. Zum 30. April 2026 lag die durchschnittliche Marktkapitalisierung bei rund 31 Milliarden US-Dollar. Die Differenzierung entsteht jedoch durch die gezielte Ausrichtung auf jene Marktsegmente, die von Benchmark-Indizes und vielen ausländischen Investoren weitgehend ignoriert werden.
Fazit
Indien bietet das stärkste Wachstumsprofil innerhalb der Schwellenländer, robuste Bilanzen, eine Profitabilität auf dem Niveau vieler Industrieländer, ein deutlich breiter diversifiziertes Investmentuniversum als der Schwellenländerindex sowie eine heimische Anlegerbasis, die ausländische Kapitalströme inzwischen klar als wichtigste Käufergruppe ersetzt hat.
Der Gesamtmarkt ist nicht günstig bewertet. Doch der Index selbst ist nicht das eigentliche Investment. Über die Jupiter India Select Strategie können GARP-orientierte Anleger auf Qualitäts- und Wachstumsunternehmen in Indien zugreifen, deren Bewertungen unter denen der Benchmark liegen. Das Alpha-Potenzial liegt dabei insbesondere in wenig beachteten Unternehmen außerhalb der Benchmark, in unterbewerteten Titeln mit Aufholpotenzial sowie in ausgewählten strukturellen Gewinnern.
In beiden Fällen spricht aus unserer Sicht wenig dafür, der Mehrheit zu folgen. Die Faktoren, die zu ihrer Schließung beitragen könnten – ein Ende der ausländischen Verkäufe, eine Stabilisierung der Rupie, sinkende Ölpreise und breiter angelegte Gewinnrevisionen in den Schwellenländern – liegen größtenteils außerhalb Indiens. Wenn diese Faktoren zusammentreffen, wird die eigentliche Arbeit bereits erledigt sein – in den Portfolios jener Investoren, die aufgebaut wurden, während der Markt seinen Blick auf andere Regionen richtete.
As of 30/04/2026 | May 2016 - Apr 2017 | May 2017 - Apr 2018 | May 2018 - Apr 2019 | May 2019 - Apr 2020 | May 2020 - Apr 2021 | May 2021 - Apr 2022 | May 2022 - Apr 2023 | May 2023 - Apr 2024 | May 2024 - Apr 2025 | May 2025 - Apr 2026 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Jupiter India Select | 38.03% | -2.20% | -13.25% | -26.96% | 41.94% | 20.77% | 1.20% | 60.41% | 7.84% | -8.26% |
| MSCI India - Net Total Return Index | 20.11% | 12.60% | 3.11% | -20.15% | 50.44% | 16.98% | -6.95% | 34.40% | 4.24% | -9.84% |
Die frühere Wertentwicklung lässt nicht auf die zukünftige Wertentwicklung schließen. Die Performanceangaben berücksichtigen keine bei der Ausgabe und Rücknahme von Fondsanteilen anfallenden Provisionen und Kosten. Quelle: Morningstar, Jupiter Asset Management Limited. Die Anteilspreise entsprechen den jeweiligen Schlusskursen und berücksichtigen die Wiederanlage von Erträgen. Der Nettoinventarwert (NAV) je Stammanteil basiert auf dem kumulierten Ertrags-NAV unter Berücksichtigung der Verbindlichkeiten zum beizulegenden Zeitwert und beinhaltet wiederangelegte Erträge. Anteilsklasse D USD Acc.
Fußnoten
1Berechnungen auf Basis von Bloomberg-Daten, Stand 28. Mai 2026.
2Bloomberg Intelligence, Mai 2026.
3Bloomberg Intelligence, Mai 2026.
4Motilal Oswal, Daten zur institutionellen Eigentümerstruktur des Nifty 500, Q1 Kalenderjahr 2026, berichtet von Business Standard, 6. Mai 2026.
5MSCI India und MSCI Emerging Markets, nachlaufendes Kurs-Gewinn-Verhältnis, MSCI-Factsheets, Ende März 2026.
Fondsspezifische Risiken
- Währungsrisiko – Der Fonds kann in verschiedenen Währungen engagiert sein; Wechselkursschwankungen können dazu führen, dass der Wert der Anlagen sowohl steigt als auch fällt.
- Preisrisiko – Preisschwankungen bei finanziellen Vermögenswerten bedeuten, dass der Wert von Vermögenswerten sowohl fallen als auch steigen kann, wobei sich dieses Risiko in der Regel unter volatileren Marktbedingungen verstärkt.
- Schwellenländerrisiko – Schwellenländer sind im Vergleich zu Industrieländern potenziell mit einem höheren politischen Risiko und einem geringeren Grad an Rechtsschutz verbunden. Diese Eigenschaften können sich negativ auf die Preise von Vermögenswerten auswirken.
- Marktkonzentrationsrisiko (geografische Region/Land) – Investitionen in ein bestimmtes Land oder eine bestimmte geografische Region können dazu führen, dass der Wert dieser Anlage im Vergleich zu Anlagen, deren Schwerpunkt eher auf der globalen Ebene liegt, stärker steigt oder fällt.
- Derivaterisiko – Der Fonds kann Derivate zur Reduzierung der Kosten und/oder des Gesamtrisikos des Fonds verwenden (auch bekannt als effizientes Portfoliomanagement oder „EPM“). Derivate sind mit einem gewissen Risiko verbunden; für die Zwecke des effizienten Portfoliomanagements sollten sie aber das Gesamtrisiko des Fonds nicht erhöhen.
- Liquiditätsrisiko – Einige Anlagen können möglicherweise schwer zu bewerten oder zu einem gewünschten Zeitpunkt oder Preis schwer zu verkaufen sein. Unter extremen Umständen kann dies die Fähigkeit des Fonds beeinträchtigen, Rücknahmeanträge auf Verlangen zu erfüllen.
- Liquiditätsrisiko (allgemein) – Unter schwierigen Marktbedingungen gibt es möglicherweise nicht genügend Anleger, die bestimmte Anlagen kaufen und verkaufen. Dies kann sich auf den Wert des Fonds auswirken.
- Risiko des Ausfalls einer Gegenpartei – Das Verlustrisiko aufgrund des Ausfalls einer Gegenpartei bei einem Derivatkontrakt oder einer Verwahrstelle, die die Vermögenswerte des Fonds verwahrt.
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