Europäische Aktien: Konflikte, Energie, KI-Gewinner und -Verlierer

Niall Gallagher analysiert die Entwicklungen am europäischen Aktienmarkt seit Jahresanfang 2026, die Auswirkungen des Nahost-Konflikts und das Thema der KI-Gewinner und -Verlierer.
01 April 2026 5 Minuten

Angesichts der ereignisreichen ersten Monate des Jahres 2026 möchte ich erläutern, wie wir die bisherigen Entwicklungen einordnen, welche Anpassungen wir an unseren Fonds vorgenommen haben und was unsere Beweggründe dafür waren.  Nachdem wir – zum Teil bereits im Januar – einige bedeutende Umschichtungen vorgenommen haben, möchte ich diese, wie in meinem Januar-Beitrag bereits angekündigt, nun näher erläutern. Vorab aber ein kurzer Einblick in unsere aktuellen Einschätzungen zum Iran-Konflikt und ihre Auswirkungen auf unsere Anlageüberlegungen:  

Der Iran-Konflikt

Wie von mir bereits angemerkt, war der Iran-Konflikt nach den vorhergehenden Äußerungen der US-Regierung keine wirkliche Überraschung. Wie sich seither gezeigt hat, wurden diese Signale aber wohl nicht von allen erkannt.  Mit Prognosen zum weiteren Verlauf des Iran-Konflikts halten wir uns weiterhin zurück. In unserem Basisszenario für Anlagezwecke – unter Einbeziehung externer Einschätzungen – gehen wir jedoch davon aus, dass dieser militärische Einsatz mehrere Wochen dauern wird und folgende Ziele verfolgt: 

  1. die nuklearen Fähigkeiten des Irans zu zerstören, damit die „klerikal-militärische Oligarchie“, die das Land kontrolliert, nicht in der Lage ist, Atomwaffen zu produzieren und einzusetzen, um Nachbarstaaten auszulöschen
  2. die ballistischen Raketenkapazitäten (und zugehörigen Lieferketten) des Iran zu zerstören und seine konventionellen militärischen Fähigkeiten so stark zu schwächen, dass das Regime nicht mehr in der Lage ist, den Nachbarstaaten erheblichen Schaden zuzufügen. Gleichzeitig sollen die Möglichkeiten der aktuellen Machthaber eingeschränkt werden, andere Schurkenstaaten mit militärischer Ausrüstung wie Drohnen oder Raketen zu versorgen
  3. das iranische Regime substanziell zu schwächen, damit der Einfluss der Oligarchie auf den Iran nachlässt und sie den Nahen Osten nicht mehr in gleichem Maße wie in der Vergangenheit destabilisieren kann

Bislang sehen wir keine Faktoren, die unser Basisszenario aus unserer Sicht infrage stellen. Aktuell sieht es danach aus, dass es den Streitkräften der USA und Israels gelungen ist, die militärischen Fähigkeiten des iranischen Regimes, das Raketenarsenal des Landes und die Führungsstrukturen der Machtelite deutlich zu schwächen.  Zudem gibt es Berichte, wonach diese Operation – ebenso wie die Angriffe auf iranische Atomanlagen im vergangenen Juli – die nuklearen Fähigkeiten des Iran erheblich geschwächt hat. Ungeachtet dessen halten wir an unserem Basisszenario eines mehrwöchigen Konflikts fest. Wir beobachten die Lage jedoch weiterhin sehr aufmerksam, um unsere Einschätzung bei Bedarf zu korrigieren, und werden nicht zögern, unser Portfolio entsprechend anzupassen.

Das Ereignis mit den aktuell größten Auswirkungen auf Wirtschaft und Märkte ist die anhaltende Blockade der Straße von Hormus durch das iranische Regime. Für die europäischen Volkswirtschaften stellt die Gaspreisentwicklung das größte Risiko dar, wie die Verdopplung der Gaspreise im letzten Monat deutlich gemacht hat. Ein anhaltender Anstieg des Ölpreises würde das Wachstum ebenfalls bremsen. Ein von uns zuvor unterschätzter Aspekt sind jedoch die Schäden durch die Unterbrechung des „Produktflusses“. Ein Großteil der Raffineriekapazitäten befindet sich hinter der Straße von Hormus. Bei einer anhaltenden Blockade der Meerenge wären signifikante Versorgungsengpässe bei Kerosin, Helium, Düngemitteln und weiteren Produkten zu erwarten, die besonders die asiatischen Märkte treffen würden. Je länger die Straße von Hormus geschlossen bleibt, desto größer sind die globalen Wachstums- und Inflationsrisiken. Am stärksten betroffen ist Asien, gefolgt von Europa, während die USA aufgrund ihrer weitgehenden Energieautarkie die geringsten Auswirkungen spüren dürften.

Energie und Resilienz

Was der sprunghafte Anstieg der Preise für Öl, Gas und Raffinerieprodukte Anlegern und Politik zeigt, ist der Mangel an Resilienz, vor allem in einigen großen europäischen Staaten, die aus den Erfahrungen von 2022 offenbar nur begrenzt gelernt haben. Dass Großbritanniens Gasreserven nur für wenige Tage ausreichen, deutet auf ein Versagen der Politik hin. Aber auch Europa als Ganzes muss sich viel klarer Gedanken über Energiesicherheit und -kosten sowie widerstandsfähige Versorgungsketten für essenzielle Produkte und Rohstoffe machen. Das alles spricht für einen erheblichen zusätzlichen Bedarf für Investitionen in Ausrüstung und Materialien, um Lieferketten, Energieversorgungssicherheit und Verteidigungsfähigkeit zu stärken, und erfordert ein grundlegendes Umdenken in der Politik. Den Regierungschefs in Deutschland, Italien und Frankreich scheint dies bewusst zu sein, der britischen Regierung dagegen nicht.

Marktperformance, Renditestreuung und KI-Gewinner und -Verlierer seit Jahresanfang

Die europäischen Aktienmärkte gaben vom 1. bis zum 9. März kurzfristig stark nach (der MSCI Europe Index verlor 6%)1, was offenbar auf eine „marktinterne“ Bereinigung bzw. einen von Hedgefonds ausgelösten Abbau von Leverage zurückzuführen war. Die Tatsache, dass die Jupiter European Select Strategie in dieser Phase leicht hinter ihrer Benchmark zurückblieb, muss auch vor dem Hintergrund der sehr starken Performance in den ersten beiden Monaten des Jahres gesehen werden – einer Phase, in der, wie im Folgenden erläutert, erhebliche Kursschwankungen und eine starke Streuung der Aktienrenditen zu beobachten waren. Wir nutzten den Marktausverkauf, um mehrere Positionen aufzustocken, die stark korrigiert hatten –  zum Beispiel ArcelorMittal, Kingspan, BBVA, Eurobank, Unicredit und Intesa SanPaolo. Seither haben wir infolge einer veränderten Einschätzung des Sektors zudem unsere Positionen in TotalEnergies und Shell wieder aufgebaut. 

Wertentwicklung im Februar und seit Jahresanfang 

Abbildung 1 unten zeigt die Wertentwicklung des Jupiter European Select seit Jahresanfang 2026. Der Fonds hat sich im Februar und in den ersten beiden Monaten des Jahres besser als sein Referenzindex entwickelt. Die europäischen Aktienmärkte waren nach einem starken Jahresausklang 2025 auch sehr gut ins neue Jahr gestartet.   

Abb. 1: Wertentwicklung des Jupiter European Select SICAV

 

1  Monat

Seit Jahresanfang 

Seit Antritt des Fondsmanagers (12.05.2025)

Fondsrendite (netto)

4.65%

10.13%

19.78%

MSCI Europe NR EUR

4.05%

7.30%

17.84%

Performance im Vergleich zur Benchmark (Bps)

+60

+283

+194

Die frühere Wertentwicklung lässt nicht auf zukünftige Renditen schließen. Quelle: Morningstar, Jupiter. Von Nettoanteilswert zu Nettoanteilswert, Wiederanlage der  Bruttoausschüttungen, nach Gebühren. Jupiter European Select D EUR Acc, bis 28.02.26. Seit Antritt des Fondsmanagers ist seit 12.05.25, als Niall Gallagher zu Jupiter wechselte. 

Performance
Jupiter European Select SICAV
Wertentwicklung über rollierende 12-Monats-Zeiträume (in %)

 

01 Mar 2016 - 28 Feb 2017

01 Mar 2017 - 28 Feb 2018

01 Mar 2018 - 28 Feb 2019

01 Mar 2019 - 28 Feb 2020

01 Mar 2020 - 28 Feb 2021

01 Mar 2021 - 28 Feb 2022

01 Mar 2022 - 28 Feb 2023

01 Mar 2023 - 28 Feb 2024

01 Mar 2024 - 28 Feb 2025

01 Mar 2025 - 28 Feb 2026

 

Jupiter European Select - D EUR ACC

 

 

3.7%

 

 

16.1%

 

 

6.1%

 

 

13.3%

 

 

9.9%

 

 

5.7%

 

 

0.7%

 

 

11.6%

 

 

2.4%

 

 

16.1%

 

 

MSCI Europe

 

 

14.7%

 

 

5.0%

 

 

1.3%

 

 

3.0%

 

 

8.9%

 

 

15.4%

 

 

4.8%

 

 

10.4%

 

 

15.7%

 

 

16.1%

 

Die frühere Wertentwicklung lässt nicht auf zukünftige Renditen schließen. Quelle: Morningstar, von Nettoanteilswert zu Nettoanteilswert, Wiederanlage der  Bruttoausschüttungen, nach Gebühren, Anteilsklasse D EUR Acc des Jupiter European Select bis zum 28.02.26. Niall Gallagher übernahm das Fondsmanagement mit Eintritt in das Unternehmen am 12.05.25.

KI-Gewinner und -Verlierer und Renditestreuung

Es lohnt sich, einige Punkte näher zu betrachten. Dazu gehört die sehr ausgeprägte, marktübergreifende Wahrnehmung von Unternehmen als „KI-Gewinner“ oder „KI-Verlierer“. Diese führte zu einer erheblichen Streuung der Aktienkurse, auch wenn diese auf Sektorebene vergleichsweise gering ausfiel. Unsere Fonds konnten von diesem thematischen Trend profitieren, da sie bedeutende Positionen in vermeintlichen Gewinnern KI-getriebener Investitionen hielten. Dazu zählen insbesondere Halbleiterhersteller und -ausrüster wie ASM International, ASML und Infineon, die vom Ausbau der Hyperscaler profitieren, sowie Elektronikunternehmen, die die notwendige Datacenter- und Netzinfrastruktur bereitstellen (Schneider Electric, Prysmian und zuletzt Siemens Energy). Außerdem hielten wir nur wenige der Aktien, die als vermeintliche Verlierer KI-getriebener Innovationen in Bereichen wie Unternehmens- und Branchensoftware, B2B-Dienstleistungen und Vermögensverwaltung abgestraft wurden. Wir halten zwar Anteile an Informationsanbietern wie der London Stock Exchange Group (LSEG) und Vermögensverwaltern wie FinecoBank und St James’s Place, deren Aktien abverkauft wurden, da befürchtet wurde, dass neue KI-Startups ihre Wettbewerbsvorteile untergraben und ihnen Marktanteile abnehmen könnten. Insgesamt waren wir jedoch stärker in den vermeintlichen „KI-Gewinnern“ investiert und in potenziellen „KI-Verlierern“ vergleichsweise untergewichtet. 

Ein weiteres interessantes Phänomen ist die starke Performance von Unternehmen, die weder als KI-Gewinner noch als KI-Verlierer gelten, sondern als weitgehend unberührt von KI wahrgenommen werden. Zu den Aktien, die von dieser Wahrnehmung profitiert haben und gut gelaufen sind, gehören KPN (Telekommunikation), AB Inbev (Bier) und mehrere Pharmatitel – schließlich werden Bier und Arzneimittel auch in einer von KI geprägten Welt weiter gefragt sein. Die Outperformance dieser Aktien könnte Ausdruck einer gewissen Verunsicherung angesichts der heftigen KI-bedingten Kursschwankungen an den Märkten sein. Sie lässt sich aber auch rational begründen, wenn man davon ausgeht, dass diese Unternehmen in der Lage sein werden, KI einzusetzen, um ihre Effizienz und ihre operativen Gewinnmargen zu steigern. 

Es ist wichtig, das Marktnarrativ zu hinterfragen und nicht zu stark zu vereinfachen. So profitieren einige Aktien, die als vermeintliche „KI-Gewinner“ hohe Kurszuwächse verzeichnet haben, auch von weiteren strukturellen Treibern – etwa der durch Dekarbonisierung vorangetriebenen Elektrifizierung. Umgekehrt zeigen viele „KI-Verliereraktien“ klassische „Quality-Growth“-Merkmale, in die Anleger bereits seit Längerem das Vertrauen verloren hatten, und waren schlicht zu hoch bewertet, bevor der Markt zu der Einschätzung gelangte, dass ihre Wettbewerbsvorteile schwinden könnten (z. B. RELX).     

Weitere Überlegungen 

Bislang haben wir es in diesem Jahr mit einem themengetriebenen Marktumfeld zu tun. Ohne das beispiellose Tempo der KI-Investitionen und -Innovationen und die damit verbundenen tiefgreifenden, schnellen und schwer vorhersehbaren Disruptionen relativieren zu wollen, halten wir es für wichtig, die konkreten Auswirkungen der KI-Revolution auf Unternehmen und Branchen strukturiert zu ermitteln – und dabei stets die Bewertung im Blick zu behalten, also den Preis, den der Markt für zukünftige Cashflows verlangt. Einige wichtige Punkte in diesem Zusammenhang:

 1.     Die Bewertung ist wichtig: Ohne, wie ich es so gern tue, Warren Buffett zu zitieren, lässt sich festhalten, dass ein Unternehmen über seine Lebensdauer nicht unbegrenzt Cashflows einbringt. Folglich hängt der Wert jedes Investments daran, was dieses Investment unserer Einschätzung nach erwirtschaften kann. Ein typisches Beispiel hierfür ist ASML. Wir beobachten diese Aktie seit rund 15 Jahren sehr intensiv und haben sie fast den gesamten Zeitraum über grundsätzlich positiv bewertet. Grund dafür ist zum einen die zentrale Rolle des Unternehmens beim Ausbau von Rechenleistung, Cloud Computing, Speicherchips und KI, zum anderen der strategische Wettbewerb und Wettlauf um die Vorherrschaft im Technologie-/KI-Bereich zwischen den USA und China sowie das damit verbundene Streben nach Autarkie in der Chipproduktion. In einer Phase, in der der Markt weitgehend unserer Einschätzung folgte, wurde die Aktie mal mit dem 50-Fachen und mal mit dem 22-Fachen des Gewinns bewertet – das ist eine ziemlich große Spanne!  In Phasen, in denen der Markt überhitzt erschien, hat es sich als sinnvoll erwiesen, die Position zu reduzieren, während es in Zeiten eines ausgeprägten Marktpessimismus sinnvoll war, sie aufzustocken. Das gleiche gilt für RELX – darauf werde ich noch näher eingehen (siehe Punkt 2 unten). Aufgrund der Bedeutung der Aktienbewertung haben wir unsere Positionen in ASML und ASM reduziert und sind in diesem Sektor jetzt untergewichtet. Unsere Einschätzung der Unternehmen selbst hat sich nicht geändert – diese Entscheidung ist nur durch die Bewertung beider Unternehmen begründet. Sollten die Kurse dieser Aktien wieder sinken, würden wir unsere Positionen vermutlich wieder aufstocken. Sollten ihre Bewertungen dagegen weiter steigen, würden wir sie wahrscheinlich weiter reduzieren.

Abb. 2:  Kurs-Gewinn-Verhältnis der ASML-Aktie – auf Basis des Gewinns der nächsten 12 Monate

chart 1 Die frühere Wertentwicklung lässt nicht auf zukünftige Renditen schließen. Quelle: Bloomberg, Stand: 18. März 2026

Abb. 3: Kurs-Gewinn-Verhältnis der RELX-Aktie – auf Basis des Gewinns der nächsten 12 Monate

chart 2 Die frühere Wertentwicklung lässt nicht auf zukünftige Renditen schließen. Quelle: Bloomberg, Stand: 18. März 2026

2.      Der KI-getriebene Wandel sollte richtig eingeordnet werden:  Dies ist die wohl schwierigste Aufgabe, vor der Aktienanleger aktuell stehen – und das wird wahrscheinlich noch lange so bleiben. Angesichts des rasanten Wandels und der enormen Auswirkungen von KI auf praktisch alle Branchen dürfen wir das Ausmaß der Disruption nicht unterschätzen. Wir sollten jedoch auch bedenken, dass es auf den Märkten und in der Wirtschaft Akteure gibt, die etwas zu verkaufen haben. Wenn wir also Substack-Artikel lesen, in denen behauptet wird, die Welt werde sich bis 2028 vollständig verändern, sollten wir die Beweggründe der Autoren kritisch hinterfragen – genauso wie den Hype um dieses Thema vor dem Hintergrund der bevorstehenden Mega-IPOs.  Wir haben ein einfaches Rahmengerüst für die Analyse der Chancen und Risiken von KI entwickelt, das auf mehreren Fragen basiert – wobei uns bewusst ist, dass diese Fragen natürlich kontinuierlich weiterentwickelt werden müssen:

a.     Ist KI ein direkter Treiber der Nachfrage nach den Produkten und Dienstleistungen dieses Unternehmens? Dies ist der offensichtlichste und einfachste Teil des Rahmengerüsts. Er betrifft die bereits erwähnten Halbleiterhersteller (Infineon) und Halbleiterausrüster (ASML, ASM International) sowie Ausrüster der Rechenzentren und Stromnetze, die aufgrund des KI-bedingten Nachfragewachstums einen höheren Strombedarf verzeichnen. Die Auswirkungen reichen jedoch noch weiter, bis hin zu den Rohstoffen, die für den Bau dieser Anlagen benötigt werden (Kupfer, Aluminium), oder den Bauteilen von Rechenzentren (Kingspan).  

b.       Auf welche Weise und zu welchen Kosten könnte dieses Unternehmen KI nutzen, um Menschen durch Code zu ersetzen? Sehr gute Beispiele hierfür finden sich im Bankwesen, wo dies auch ein großes Thema bei den Ergebnispräsentationen für 2025 war. Als Bereiche mit erheblichem (theoretischem) Automatisierungspotenzial wurden zum Beispiel die Kreditvergabe und Risikoprüfung, die Geldwäschebekämpfung und Know Your Customer-Überprüfungen sowie Kontoeröffnungen genannt. Zukunftsorientierte Banken entwickeln zudem Funktionen, bei denen KI die Mitarbeiterproduktivität erhöht – etwa durch eine schnellere Erstellung der Vermögensplanung für Kunden, wodurch Vermögensverwalter und -berater mehr Kunden betreuen können.  Allerdings sind Banken streng regulierte Institute, die gesetzlichen Vorschriften und Verhaltensregeln unterliegen und sich daher nur in dem Tempo weiterentwickeln können, wie es ihnen die Aufsichtsbehörden und Zentralbanken erlauben. Zudem gelten in Europa strenge arbeitsrechtliche Vorschriften – selbst wenn durch KI Stellen wegfallen könnten, ist nicht gesagt, dass die betroffenen Beschäftigten ohne erhebliche finanzielle Folgen entlassen werden können. Daher dürften Kosteneinsparungen eher über die „Alterspyramide“ realisiert werden, also durch einen schrittweisen Personalabbau, wenn ältere Beschäftigte in den Ruhestand treten. Neben Banken gibt es noch viele weitere Unternehmen und Sektoren, die durch KI-Anwendungen Kosten und Kapital einsparen könnten. Konsumgüterunternehmen zum Beispiel könnten KI nutzen, um bessere Nachfrageprognosen zu erstellen, ihre Lieferkette zu optimieren oder ihre externen Marketingkosten zu senken – ein Thema, das die Unternehmensleitung von Nestlé zuletzt diskutiert hat.

c.       Welche Wettbewerbsvorteile könnten Unternehmen, die von KI bedroht sind („KI-Verlierer“), vor disruptiven KI-Startups schützen? Hier konzentrieren wir uns vor allem auf folgende Aspekte: Verfügt ein Unternehmen über proprietäre und unersetzbare Daten? Wurden Daten in einer Weise angereichert, die fachliches Urteilsvermögen erfordert, das die Leistungsfähigkeit großer KI-Sprachmodelle – zumindest derzeit – noch übersteigt? Wie stark reguliert sind das Geschäft des Unternehmens und seine Prozesse? Und inwieweit hat ein Unternehmen seine Produkte und Dienstleistungen in die Arbeitsabläufe seiner Kunden integriert?  Sicherlich gibt es noch weitere relevante Aspekte. Bis auf Weiteres erscheinen uns diese Fragen jedoch am wichtigsten, wie zwei Beispiele aus unserem Portfolio verdeutlichen:

i.     RELX. Wie Abbildung 3 zeigt, hat diese Aktie innerhalb eines Jahres eine sehr starke Bewertungskorrektur von einem KGV von über 30 auf unter 15 verzeichnet. Allerdings ist der Ausgangspunkt zu beachten. RELX ist ein gutes Unternehmen mit solidem Wachstum und ein traditionell defensiver Titel, der jedoch zu hoch bewertet war. Da RELX als typisches Beispiel einer hochwertigen Wachstumsaktie galt, ist ein Teil des Bewertungsrückgangs durch den Abverkauf von „Quality Growth“-Aktien im Jahr 2025 zu erklären. Gegen Ende 2025/Anfang 2026 nahm die Besorgnis am Markt über das KI-Risiko für RELX deutlich zu und erreichte im Februar mit der Vorstellung des Claude Rechts-Plug-Ins von Anthropic ihren Höhepunkt – innerhalb von neun Monaten halbierte sich der Aktienkurs, ohne dass sich die Gewinnerwartungen geändert hatten. RELX ist ein typisches Beispiel für ein Unternehmen, bei dem wir bis auf Weiteres kein erhebliches KI-Disruptionsrisiko sehen:  Bei den Inhalten im Risk-Segment des Unternehmens handelt es sich größtenteils um unternehmenseigene Daten, die zur Erfüllung von Branchenstandards und gesetzlichen Vorschriften erforderlich sind, während das Legal-Segment Inhalte umfasst, die über Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg gesammelt wurden und häufig nicht in digitaler Form öffentlich zugänglich sind. Darüber hinaus werden die juristischen Inhalte häufig durch fachliche Rechtsgutachten ergänzt und sind fest in die Arbeitsabläufe der Kunden (Anwaltskanzleien) integriert. Vor allem ist dieses Angebot für die Kanzleien nicht mit nennenswerten Kosten verbunden, für sie jedoch von kritischer Bedeutung, da kein Prozessanwalt das Risiko eingehen kann, ohne die umfassendsten und aktuellsten Beispiele aus der Rechtsprechung vor Gericht zu erscheinen. RELX beschäftigt sich seit Jahren mit der Entwicklung und dem Einsatz von KI, hat die potenziellen Auswirkungen von KI auf die Branche gründlich analysiert und effektive Kontrollen zum Schutz seiner Inhalte eingerichtet. Wir haben den Kursrückgang der RELX-Aktie genutzt, um eine neue Position aufzubauen, da wir erhebliches Aufwärtspotenzial gegenüber dem inneren Wert sahen.  

ii.     LSEG. Dies ist eine weitere Aktie, die im zurückliegenden Jahr stark korrigiert hat, weil befürchtet wird, dass neue KI-Startups das Datengeschäft des Unternehmens replizieren und teilweise ersetzen werden. Wir halten dies für eine klare Fehleinschätzung des Wertversprechens von LSEG. Ähnlich wie bei RELX handelt es sich bei einem Großteil der Daten des Unternehmens um urheberrechtlich geschützte Inhalte, die nicht einfach reproduziert werden können. Zudem erfordert die Art der Datennutzung außergewöhnliche Genauigkeit und geringe Latenz bei der Bereitstellung, viele der Daten unterliegen regulatorischen Vorgaben, und die tiefe Integration der Datenbereitstellung in die Arbeitsabläufe von Kunden lässt sich nur schwer replizieren. Abgesehen von der Einbindung in die Prozesse der Kunden erfordern die Erfassung und Aufbereitung der Datensätze eine Echtzeitanbindung an über 600 Börsen, die auf der Grundlage einer umfangreichen Infrastruktur jede Sekunde riesige Datenmengen verarbeiten. Wie auch RELX hat sich LSEG intensiv mit dem Einsatz von KI und einer effektiven Kontrolle des Zugangs zu seinen Daten beschäftigt. Wir betrachten große KI-Sprachmodelle und neue KI-Startups nicht als Konkurrenten von LSEG, sondern als Kunden und Vertriebskanäle.

Darüber hinaus haben wir unsere Positionen in TotalEnergies und Shell wieder aufgebaut, nachdem wir beide Positionen Ende 2025 verkauft hatten, da wir befürchteten, dass es im Zeitraum 2026-2030 zu einem Gasüberangebot kommen könnte und der Ölpreis sich noch einige Zeit auf einem niedrigen Niveau bewegen könnte. Im Nachhinein betrachtet war dies ein Fehler, und wir hätten den „Optionswert“ der über den Erwartungen liegenden Öl- und Gaspreise erkennen müssen.

Eine letzte Portfolioanpassung, auf die ich hier eingehen möchte, ist unser Investment in ArcelorMittal, das ganz klar nicht in Verbindung mit dem KI-Narrativ steht. Die Entscheidung für den Kauf dieser Aktie basierte auf einem grundlegenden Wandel in der Branche und einer Trendwende bei der Entwicklung der Kapitalrendite (ROCE). ArcelorMittal hatte sich in den letzten 15 Jahren größtenteils sehr schwer damit getan, eine seine Kapitalkosten übersteigende Kapitalrendite (ROCE) zu erwirtschaften. Daher kam ein Investment in diese Aktie für uns auch nicht in Betracht. Wichtig ist, dass die niedrige Kapitalrendite NICHT in einem schlechtem Management begründet war – ArcelorMittal ist ein sehr gut geführtes Unternehmen –, sondern in der Überschwemmung des europäischen Stahlmarktes mit Billigimporten. In vielen Fällen unterlagen die Importeure nicht denselben Emissionsvorschriften wie die immer strenger regulierten europäischen Stahlhersteller und profitierten daher von einem erheblichen Kostenvorteil. So konnten sie billiger produzieren und Marktanteile gewinnen, was zu sinkenden Preisen und einer geringeren Kapazitätsauslastung bei europäischen Stahlherstellern führte. Zwei wichtige Veränderungen könnten jetzt zu höheren Kapitalrenditen für europäische Stahlhersteller führen:  

  •  Erstens wird die Anwendung des europäischen CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) ab Januar 2026 die Kosten für den Kohlenstoffgehalt der Produkte in Form einer CO₂-Steuer erhöhen. Diese Steuer geht zu Lasten des Importeurs und der Importeur trägt das Risiko für etwaige fehlerhafte Berechnungen der CO₂-Steuer.
  •  Zweitens hat die Europäische Kommission angekündigt, noch in diesem Jahr Zölle und Einfuhrkontingente für Stahlimporte einzuführen. Auch wenn dies zu höheren Stahlkosten für inländische Stahlverbraucher führen wird, zeigt es, dass den politischen Entscheidungsträgern endlich bewusst geworden ist, wie wichtig die heimische Stahlindustrie ist – schließlich bestehen auch Panzer und Artillerie aus Stahl. Das zeugt von einem wachsenden Verständnis für die Bedeutung von „Resilienz“. In Großbritannien ist davon allerdings nichts zu erkennen, und es ist durchaus denkbar, dass das Land auch noch die letzten Überbleibsel seiner Stahlindustrie verliert.

Diese Initiativen werden dazu führen, dass die Stahlpreise steigen und Importe verdrängt und durch inländische Lieferungen ersetzt werden. Dadurch wird sich die Kapazitätsauslastung der Industrie erhöhen. Wir gehen davon aus, dass ArcelorMittal seinen ROCE dadurch in den nächsten Jahren deutlich steigern können wird, was sich im aktuellen Aktienkurs noch nicht widerspiegelt.  

Fondsspezifische Risiken

  • Währungsrisiko - Der Fonds kann Anlagen in verschiedenen Währungen halten und Wechselkursänderungen können dazu führen, dass der Wert von Anlagen fällt oder steigt.
  • Risiken im Zusammenhang mit der Währungsabsicherung von Anteilsklassen - Der Prozess der Währungsabsicherung von Anteilsklassen kann dazu führen, dass der Wert der Anlagen aufgrund von Marktbewegungen, Neugewichtungserfordernissen und im Extremfall durch den Ausfall der Gegenpartei des Absicherungsvertrags sinkt.
  • Preisrisiko - Preisschwankungen bei finanziellen Vermögenswerten bedeuten, dass der Wert von Vermögenswerten sowohl fallen als auch steigen kann, wobei sich dieses Risiko in der Regel unter volatileren Marktbedingungen verstärkt.
  • Marktkonzentrationsrisiko (geografische Region/Land) - Investitionen in ein bestimmtes Land oder eine bestimmte geografische Region können dazu führen, dass der Wert dieser Anlage im Vergleich zu Anlagen mit einer eher globalen Ausrichtung stärker steigt oder fällt.
  • Derivaterisiko - Der Fonds kann Derivate einsetzen, um die Kosten und/oder das Gesamtrisiko der Strategie zu reduzieren (auch bekannt als Effizientes Portfoliomanagement oder „EPM”). Derivate sind mit einem gewissen Risiko verbunden; für die Zwecke des effizienten Portfoliomanagements sollten sie das Gesamtrisiko der Strategie jedoch nicht erhöhen.
  • Liquiditätsrisiko (allgemein) - Unter schwierigen Marktbedingungen kann es vorkommen, dass sich nicht genug Investoren für den Kauf und Verkauf bestimmter Investments finden lassen. Dies kann Auswirkungen auf den Wert des Fonds haben.
  • Risiko des Ausfalls einer Gegenpartei - Das Verlustrisiko aufgrund des Ausfalls einer Gegenpartei bei einem Derivatkontrakt oder einer Verwahrstelle, die die Vermögenswerte des Fonds verwahrt.
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Zu Vergleichszwecken dargestellte Referenzindizes dienen lediglich zur Veranschaulichung und lassen keine Rückschlüsse auf die zukünftige Wertentwicklung zu. Die hier geäußerten Meinungen sind die der genannten Personen zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels. Sie stimmen nicht notwendigerweise mit den Meinungen von Jupiter insgesamt überein und können sich ändern. Das gilt insbesondere in Phasen, in denen sich das Marktumfeld sehr schnell verändert. Unternehmens- und Positionsbeispiele dienen lediglich der Veranschaulichung und sollten nicht als Empfehlung zum Kauf oder Verkauf verstanden werden. Während alle Anstrengungen unternommen werden, um die Genauigkeit der dargestellten Informationen sicherzustellen, kann diesbezüglich keine Haftung übernommen werden.

Die Gesellschaft ist ein Organismus für gemeinsame Anlagen in Wertpapiere (OGAW), eine nach Luxemburger Recht in der Form einer Investmentgesellschaft mit variablem Kapital („Société d‘Investissement à Capital Variable“, SICAV) gegründete Aktiengesellschaft („Société Anonyme“). Bitte lesen Sie auch den aktuellen Verkaufsprospekt und die Wesentlichen Informationen für Anleger (KIID für Anleger in Großbritannien und KID für Anleger in der EU), bevor Sie eine Anlageentscheidung treffen.  Bitte beachten Sie dabei insbesondere im Zusammenhang mit dem Anlageziel des Teilfonds auch ESG-Merkmale (sofern relevant) sowie weitere Risikofaktoren.

Diese Dokumente sind auf www.jupiteram.com oder www.eifs.lu/jupiteram verfügbar sowie von:

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Italien: Allfunds Bank, S.A.U., Milan Branch, Via Bocchetto 6, 20123 Mailand, Italien. CACEIS Bank, Italy Branch Via Piazza Cavour 2,20121 Mailand, Italien. Société Générale Securities Services, Via Benigno Crespi 19, 20159 Mailand, Italien. Der Teilfonds wurde bei der Commissione Nazionale per le Società e la Borsa (CONSOB) für den Vertrieb an private Anleger in Italien registriert. 

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