Management-Signale mittels nichtlinearer Interaktionen erfassen

Das Systematic Equities-Team von Jupiter hat im Rahmen eines statistischen Lernprojekts nichtlineare Wechselwirkungen zwischen Signalen untersucht, um neue Alpha-Quellen zu erschließen. Ein erstes Ergebnis dieses Projekts ist ein neues „Company Management“-Signal, das darauf abzielt, die nichtlinearen Zusammenhänge zwischen dem Informationsgehalt von Managementsignalen und den verhaltensbedingten Auswirkungen von Kursbewegungen zu erfassen.
07 Mai 2026 5 Minuten

Systematische Aktienmodelle werden häufig durch die Kombination verschiedener Signale wie Value, Momentum und Quality zu einem einzigen Score aufgebaut. In den meisten Fällen geschieht dies linear, wobei jedes Signal unabhängig und proportional zum Endergebnis beiträgt. Dieser Ansatz ist einfach und wirksam, unterstellt jedoch, dass jedes Signal unabhängig vom jeweiligen Kontext auf die gleiche Weise wirkt. In der Praxis ist das nicht immer der Fall.
Im Rahmen unseres akademischen Forschungsprogramms zu Statistical-Learning-Methoden (Alentorn & Mrazik, 2025) untersuchen wir, wie sich nichtlineare Wechselwirkungen zwischen Investmentsignalen mithilfe von Entscheidungsbäumen, neuronalen Netzwerken sowie klassischerer Methoden besser identifizieren lassen. In diesem Fall haben wir uns für ein Modell entschieden, das Nichtlinearitäten erfasst und zugleich interpretierbar bleibt, sodass wir die zugrunde liegende Anlageeinsicht validieren können.

Nichtlineare Interaktionen, oder Zustandsabhängigkeit, ermöglichen es dem Modell, Situationen zu erfassen, in denen die Wirksamkeit eines Signals von einem anderen Signal abhängt. Anstatt Signale isoliert zu betrachten, kann das Modell erkennen, dass bestimmte Merkmalskombinationen besonders wichtig sind.

Der Vorteil dieses Ansatzes besteht darin, dass sich das Modell auf jene Marktbereiche konzentrieren kann, in denen Signale die größte Aussagekraft besitzen. Statt die Prognosekraft gleichmäßig über alle Aktien zu verteilen, helfen nichtlineare Ansätze dabei, spezifische Bedingungen zu identifizieren, unter denen Renditen besser vorhersehbar sind. Dadurch kann ein gezielteres und informativeres Signal entstehen, das besser mit dem tatsächlichen Marktverhalten im Einklang steht. Im Kern bieten nichtlineare Beziehungen eine Möglichkeit, aus bestehenden Signalen zusätzliche Erkenntnisse zu gewinnen, ohne völlig neue Daten zu benötigen, indem verstanden wird, wie diese Signale zusammenwirken statt getrennt voneinander.

Nichtlineare Interaktionen können Muster erfassen, die linearen Modellen entgehen.

Image 1 Quelle: Jupiter. Nur zu Illustrationszwecken.

Was ist Nichtlinearität?

Eine lineare Beziehung zwischen einer Zielvariable und einem Prädiktor bedeutet, dass der erwartete Zielwert als Gerade in Abhängigkeit von diesem Prädiktor modelliert wird, wobei andere Terme konstant gehalten werden. Bei einem Prädiktor ergibt dies eine Gerade, bei zwei Prädiktoren eine Ebene und bei vielen Prädiktoren eine Hyperebene.

Viele reale Zusammenhänge sind nichtlinear, was bedeutet, dass eine Krümmung die bessere Anpassung liefert. Ein von James et al. (2023, Kapitel 3) diskutiertes Beispiel ist der Zusammenhang zwischen Kraftstoffverbrauch und Motorleistung bei Autos. Die Kraftstoffeffizienz nimmt tendenziell mit steigender Motorleistung ab, allerdings nicht in einer perfekten Geraden. Das ist ein Beispiel für Nichtlinearität.

Polynome sind eine Möglichkeit, Krümmungen zu modellieren, aber nicht die einzige: Stufenfunktionen, stückweise Polynome und Splines gehören zu weiteren Ansätzen.

Ein weiteres Beispiel ist der Zusammenhang zwischen Temperatur und Eisverkauf. Höhere Temperaturen fördern den Absatz, allerdings nicht in einem konstanten Ausmaß. Ein Temperaturanstieg um 1 Grad an einem kalten Tag kann kaum Wirkung zeigen, während derselbe Anstieg an einem warmen Tag die Verkäufe deutlich erhöhen kann. Bei sehr hohen Temperaturen kann sich der Absatz schließlich abflachen.

Was sind Interaktionseffekte?

Interaktionseffekte sind im Alltag und in der Wirtschaft weit verbreitet. Ein von James et al. (2023, Kapitel 3) verwendetes Beispiel betrifft Radio- und TV-Werbung zur Prognose von Produktverkäufen. Nehmen wir an, dass beide Kanäle für sich genommen einen positiven Einfluss auf den Absatz haben, der Effekt von Radiowerbung jedoch größer ist, wenn die TV-Werbung bereits hoch ist, und umgekehrt. In diesem Fall kann ein Modell, das einen Interaktionsterm zwischen Radio- und TV-Werbung enthält, die Daten besser anpassen als ein Modell, das nur Haupteffekte berücksichtigt. Die zentrale Idee ist, dass der Effekt eines Prädiktors vom Ausmaß eines anderen Prädiktors abhängt.

Kombination von Verhaltens- und Informationswirkungen

Unser neues nichtlineares Signal ist Teil unserer Company Management Aktienselektionsstrategie, die darauf abzielt, die Qualität eines Managementteams anhand der Daten zu bewerten, die aus dessen Entscheidungsfindung entstehen. Das neue Signal verbindet bestehende Signale zu einem Interaktionsterm, der darauf ausgelegt ist, die in jeder Komponente bereits enthaltenen Informationen zusätzlich zu verstärken. Konkret kombiniert es den Informationsgehalt des Management-Signallings mit dem Einfluss des Preisverhaltens.

Die zentrale Erkenntnis ist, dass die wechselseitigen Abhängigkeiten zwischen diesen beiden Effekten informativer sein können als jedes Signal für sich allein. So kann es bedeutungsvolle Divergenzen oder Konvergenzen zwischen der externen Wahrnehmung durch Marktteilnehmer und der internen Überzeugung des Managements erfassen. Divergierende Fälle können beispielsweise eher Hinweise auf eine Fehlbewertung liefern.

Durch die explizite Modellierung subtiler struktureller Zusammenhänge kann unser neues Signal Fälle identifizieren, in denen Divergenz oder Konvergenz besonders aussagekräftig sind. Das Modell kann Situationen besser erfassen, in denen Markterwartungen und zugrunde liegende Fundamentaldaten nicht im Einklang stehen. Daraus ergibt sich ein reichhaltigeres und ökonomisch plausibleres Signal. So könnte beispielsweise schwaches Preisverhalten in Verbindung mit schwachem Management-Signalling (Konvergenz) die Erwartung eines negativen Ergebnisses verstärken; schwaches Preisverhalten in Kombination mit starkem Management-Signalling (Divergenz) könnte in manchen Fällen hingegen auf eine Fehlbewertung und potenziell ein positives Ergebnis hindeuten.

Vorteile der neuen Erweiterung

Die Ergänzung des neuen Management-Signalling-Interaktionssignals innerhalb der Company Management Aktienselektionsstrategie des Modells stellt eine sinnvolle Weiterentwicklung dar. Indem bedingte Zusammenhänge und ökonomisch intuitive funktionale Abhängigkeiten zwischen Signalen erfasst werden, eröffnet sie Zugang zu inkrementellem Alpha, das von linearen Frameworks nicht vollständig erfasst wird. Bei sorgfältiger Umsetzung kann dies:

  1. die Modelldiversifikation verbessern, indem ein neues, unkorreliertes Signal integriert wird, das auf einer anderen Dimension arbeitet als die bestehenden Signale
  2. das Risikomanagement verbessern, insbesondere beim Umgang mit Informationen zum Preisverhalten, die in Phasen gestresster Marktbedingungen zu deutlichen
  3. die Gegenbewegungen neigen können die Fähigkeit des Modells stärken, Alpha zu generieren, indem ein verfeinerter und robusterer Aktienselektionsprozess entsteht.

Den systematischen Prozess kontinuierlich verbessern

Zentral für die Jupiter-Systematic-Philosophie ist eine kontinuierliche und disziplinierte Forschungsarbeit, um sicherzustellen, dass sich unser Investmentprozess im Zeitverlauf verbessert. Seit mehr als 20 Jahren hat diese Philosophie zu einer regelmäßigen Folge evolutionärer Veränderungen unseres Investmentprozesses geführt und damit im Zeitverlauf zu Verbesserungen unserer erwarteten risikoadjustierten Renditen beigetragen. Derzeit laufen mehrere weitere spannende Forschungsprojekte, darunter die Entwicklung zusätzlicher nichtlinearer Signale, und wir freuen uns darauf, Ihnen hierzu zu gegebener Zeit weitere Details mitzuteilen.

Der Investmentprozess des Teams ist seit mehr als zwei Jahrzehnten implementiert und wird fortlaufend verfeinert. Jüngste Erweiterungen sind nachfolgend dargestellt. Diese Erweiterungen basieren auf umfangreicher Forschungsarbeit des Teams.

Jüngste Erweiterungen

Erweiterungen in allen drei Bereichen des Investmentprozesses

Aktienebene

Merkmale für die Aktienselektion

Directors’ Deals (April 2020):
Neue Komponente innerhalb des „Company Management“-Signals zur Auswertung von Transaktionen von Unternehmensleitern in Aktien des eigenen Unternehmens.

ESG (Juni 2020): Neue Komponente innerhalb des „Company Management“-Signals zur Integration granularer E-, S- und G-Kennzahlen unter gleichzeitiger Vermeidung unbeabsichtigter Faktorverzerrungen.

Management sentiment (November 2020): Neue Komponente innerhalb des Sentiment-Signals zur Erfassung von Stimmungs- und Qualitätssignalen aus Transkripten von Unternehmenskonferenzen zu Quartalszahlen.

Fund Flows (November 2021): Neue Komponente zur Gewinnung von Informationen aus Kapitalzuflüssen in Aktienfonds und ETFs.

Global Industry Fund Flow (Oktober 2023): Neues Signal zur Erweiterung einer Komponente innerhalb des „Price Action“-Signals, um von Kapitalflüssen auf Branchenebene zu profitieren.

Patentdaten (November 2024): Neues Signal innerhalb des „Company Management“-Signals zur Messung der Effizienz der Innovationskraft eines Unternehmens.

Kurzfristige Marktverwerfungen (September 2025): Weiterentwicklung einer bestehenden Sentiment-Komponente.

Management Signalling (März 2026): Erfassung der nichtlinearen Auswirkungen von Managemententscheidungen auf Preis- und Kurstrends.

Marktebene

Dynamisches Gewichtungssystem

Conditional Downside Risk (September 2019): Weiterentwicklung des Prozesses zur dynamischen Allokation zwischen Faktoren unter Berücksichtigung des bedingten Abwärtsrisikos von Faktoren in unterschiedlichen Marktumfeldern.

Value-Quality-Entkopplung (September 2019): Mehr Flexibilität beim Einsatz von Value- und Quality-Faktoren innerhalb von „Dynamic Valuation“, um Phasen besser zu navigieren, in denen beide Stile unter Druck stehen.

High Conviction Rotation (März 2021): Verbesserte Identifikation von Zusammenhängen zwischen Marktumfeldindikatoren und Faktor-Renditeerwartungen, wodurch stärkere Rotationen bei höherer Modellüberzeugung möglich werden.

Dynamic Valuation (März 2025): Weiterentwicklung zur besseren Navigation extremer Marktphasen, in denen sich Investoren entweder auf tief bewertete Value-Titel oder hoch bewertete Qualitätsaktien konzentrieren.

Portfolioebene

Portfolio-Konstruktion und Risikomanagement

Statistisches Risikomodell (September 2019): Erweiterung des bestehenden faktorbasierten Risikomodells um ein PCA-basiertes Risikomodell zur besseren Identifikation und Steuerung temporärer Risikofaktoren, ohne diese vorab definieren zu müssen.

Überarbeitete Restriktionen (Januar 2020): Weiterentwicklungen bei der Steuerung von Länder-, Sektor- und Brancheneffekten sowohl auf Ebene des Faktordesigns als auch der Portfolio-Konstruktion zur Verbesserung der risikoadjustierten Renditen.

Reputational Risk (Dezember 2022): Überwachung ESG-bezogener Reputationsrisiken auf Basis von Nachrichtenmeldungen zur Identifikation von Aktien, deren Entwicklung durch nicht faktorbasierte Merkmale beeinflusst wird.

Erweiterung des Investmentuniversums (Oktober 2023): Ausweitung des Investmentuniversums um mehr als 500 Aktien, um von höherer Marktliquidität und größerer Marktbreite bei Alpha-Chancen zu profitieren.

Volumenprognosen (Dezember 2025): Verbesserte Erfassung der Fragmentierung von Handelsvolumina über verschiedene Handelsplätze hinweg.

Trade Thresholds (Februar 2026): Steigerung der Effizienz der Alpha-Umsetzung durch optimierte Größensteuerung von Transaktionen.

Quelle

James G, Witten D, Hastie T, Tibshirani R & Taylor J.  An Introduction to Statistical Learning, 2023. Available at https://www.statlearning.com/

Alentorn A & Mrazik M.  Fooled by noise? Why statistical learning, not hype, drives our process, Jupiter, 2025. Available at https://www.jupiteram.com/uk/en/professional/insights/why-statistical-learning-not-hype-drives-our-process/

Jupiter Merian World Equity strategy

Ein einzigartiger systematischer Investmentprozess, der darauf ausgelegt ist, beständige Überrenditen zu generieren.

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