Seit dem 28. Februar fliegen die USA und Israel Angriffe auf den Iran, der mit Vergeltungsschlägen gegen Israel, US-Militärbasen in der Region und mehrere benachbarte Golfstaaten reagiert hat. Zu den gemeldeten Todesopfern gehört der Oberste Führer Ali Khamenei, dessen Sohn vom iranischen Regime, das weiterhin an der Macht ist, zu seinem Nachfolger ernannt wurde. Das genaue Ausmaß der militärischen und zivilen Opfer ist unklar. Zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Kommentars funktioniert der Regierungsapparat der Islamischen Republik weiter. Niemand kann sagen, wie lange dieser Konflikt noch andauern wird. Als Ziele dieser Militäroperation haben Vertreter der US-Regierung unter anderem eine Schwächung der nuklearen und militärischen Fähigkeiten des Irans genannt. Präsident Trump hat zudem einen Regimewechsel ins Spiel gebracht. Was genau die USA erreichen wollen, und in welchem zeitlichen Rahmen, bleibt jedoch unklar.
Unsere Gedanken sind bei allen, die von diesem Konflikt betroffen sind, einschließlich unserer Kunden. Wir hoffen, dass Sie und Ihre Familien in dieser schwierigen Zeit in Sicherheit und wohlauf sind.
Was die Märkte betrifft, hat die massive Störung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus, einer für die weltweite Ölversorgung kritischen Verkehrsader, zu einem starken Anstieg des Ölpreises geführt. An den Aktienmärkten ist es zu Kursturbulenzen, aber keinem Crash gekommen. Befürchtungen, dass der höhere Ölpreis die Inflation anheizen könnte, haben die US-Staatsanleihenrenditen steigen lassen. Der Goldpreis ist zunächst gestiegen, schwankt jedoch stark. Viele Anleger sind verständlicherweise verunsichert.
Gründe, nicht zu investieren
Es findet sich fast immer etwas, das gegen Risikoanlagen spricht. Blickt man auf die Entwicklungen der letzten 100 Jahre zurück, hatten Anlegern reichlich Grund zur Sorge. In rascher Abfolge kam es zu bedrohlichen politischen, militärischen, wirtschaftlichen und finanziellen Ereignissen (siehe Abbildung). Trotzdem ist der S&P 500 – ohne Berücksichtigung von Dividenden – seit Ende 1927 um rund 38.000% gestiegen. Das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wertsteigerung von 6,25%.
Die frühere Wertentwicklung lässt nicht auf zukünftige Renditen schließen.
Quelle: Jupiter, Bloomberg, 31. Dezember 1927 bis 9. März 2026. S&P 500 Index (Kursrendite, ohne Berücksichtigung von Dividenden).
Langfristige Anlagen
Über einzelne Zwölfmonatszeiträume sind Aktienrenditen häufig negativ - seit dem 31. Dezember 1927 war dies in 30,6% der Jahre der Fall (Daten zum S&P 500 ohne Dividenden).
Über längere Zeiträume zeigt sich jedoch ein deutlich besseres Bild: Der Anteil der Zehnjahresperioden mit einer negativen Rendite ist mit 11,3% erheblich niedriger. Über Zeiträume von 20 Jahren beträgt die historische Verlustwahrscheinlichkeit nur noch 3,5%.
Halteperiode | % positiv | % negativ |
1 Jahr | 69.4 | 30.6 |
10 Jahre | 88.7 | 11.3 |
20 Jahre | 96.5 | 3.5 |
Die frühere Wertentwicklung lässt nicht auf zukünftige Renditen schließen.
Quelle: Jupiter, Bloomberg, Stand: 9. März 2026. S&P 500 Index (Kursrendite, ohne Berücksichtigung von Dividenden) seit 31. Dezember 1927, monatliche Daten.
Psychologische Denkfehler
Menschen neigen dazu, einschneidende negative Ereignisse stärker in Erinnerung zu behalten als positive Ereignisse. Viele erinnern sich genau, wo sie zum Zeitpunkt der Terroranschläge auf die USA am 11. September 2001 waren, einige vielleicht noch daran, wie sie in den Nachrichten von der Ermordung von John F. Kennedy am 22. November 1963 erfuhren. Negative Ereignisse setzen sich in unseren Köpfen fest.
Die neue Erwartungstheorie besagt, dass Anleger Gewinne weniger schätzen, als sie Verluste fürchten. Der mit dem Verlust von Geld verbundene emotionale Schmerz ist größer als die Freude über einen gleich hohen Gewinn. Anleger handeln nicht rein rational. Menschen werden durch Ereignisse der jüngeren Vergangenheit stärker beeinflusst als durch Ereignisse, die weiter zurückliegen – in der Finanztheorie wird dieses Phänomen auch als „Recency Bias“ bezeichnet. Dramatische Schlagzeilen können das Denken von Menschen stärker bestimmen als stetige langfristige Fortschritte. Unsere kurzsichtige Verlustaversion führt dazu, dass wir uns übermäßig auf kurzfristige Schwankungen konzentrieren, anstatt auf langfristiges Wachstum. Detailliertere Einblicke in irrationales Anlegerverhalten und seine Auswirkungen auf die Märkte erhalten Sie in meinem jüngsten Artikel Marktpsychologie und systematisches Alpha.
Langfristige Resilienz
Aktienmärkte können volatil sein. Die Marktauswirkungen der meisten negativen Ereignisse sind jedoch von relativ kurzer Dauer. Über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten betrachtet, zeichnen sich globale Aktien durch ihren stetigen langfristigen Aufwärtstrend aus. Natürlich gibt es auch Märkte, die sich über längere Zeit nicht von der Stelle bewegen, wie Japan nach 1990. Die meisten globalen Aktienmärkte haben sich jedoch auf lange Sicht als hervorragende Anlage erwiesen.
Woher kommt diese langfristige Resilienz der globalen Aktienmärkte? Die Börse ist kein Nullsummenspiel, sondern spiegelt das Wachstum der Realwirtschaft wider. Wenn Unternehmen mit Herausforderungen konfrontiert sind, zeigen sie sich bemerkenswert anpassungsfähig. Sie sind innovativ, senken Kosten, treten in neue Märkte ein und entwickeln neue Technologien. Wirtschaftliche Rückschläge können den Fortschritt bremsen – zumindest in dieser Phase der Menschheitsgeschichte kehren sie ihn jedoch selten dauerhaft um. Die globalen Aktienmärkte stehen für das Eigentum an produktiven Vermögenswerten wie Fabriken, geistigem Eigentum, Marken oder Humankapital. In aller Regel ist der Wert dieser Vermögenswerte im Laufe der Zeit gestiegen.
Die Grundprinzipien der Kapitalanlage sind unverändert: langfristig investieren, auf Diversifikation achten, Risiken steuern und sich nicht zu sehr von kurzfristigem Marktrauschen beirren lassen. Unserer Ansicht nach ermöglicht aktives Management eine dynamischere Erkennung von Risiken und Chancen – im Gegensatz zum passiven Investieren, bei dem es zu einer Übergewichtung von Marktsegmenten kommen kann, die sich in den letzten Jahren gut entwickelt haben, mittlerweile aber möglicherweise überbewertet sind. Die Bewertung ist ein weiteres Grundprinzip des Investierens.
Die Lehre aus den vergangenen 100 Jahren lautet nicht, dass Märkte Krisen vermeiden, sondern dass sie sie überdauern. Anleger, die auf Gewissheit warteten, fanden diese selten. Anleger, die an ihren Anlagen festhielten, stellten fest, dass Geduld eine Tugend ist.
The value of active minds: unabhängige Denkansätze
Ein wesentliches Merkmal des Investmentansatzes von Jupiter ist, dass wir unseren Fondsmanagern keine Hausmeinung aufdrücken, sondern ihnen die Freiheit geben, eigene Ansichten zu den Anlageklassen zu formulieren, auf die sie sich spezialisiert haben. Daher ist zu beachten, dass alle geäußerten Ansichten – einschließlich derjenigen, die sich auf Umwelt-, Sozial- und Governance-Erwägungen beziehen – die des Autors/der Autoren sind und von den Ansichten anderer Jupiter-Anlageexperten abweichen können.
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