„Das Leben geht ziemlich schnell vorbei. Wenn ihr nicht ab und zu anhaltet und euch umseht, könntet ihr es verpassen.“ – Ferris Bueller, Ferris macht blau (1986)

Warum das Multi-Asset Team einen Film über einen Highschool-Schwänzer zitiert, überlassen wir der Vorstellungskraft der Leser. Gesagt sei nur, dass die postpandemische Phase eine der intensivsten unserer Laufbahn war und Anleger in einem so turbulenten Marktumfeld leicht den Überblick verlieren. Unser Job ist es, Übertreibungen als solche zu erkennen und das komplexe Marktgeschehen für unsere Anleger zu entwirren. Dazu müssen wir auch ab und zu innehalten – auch wenn wir nicht gleich blau machen. Im April 2020 sagten wir voraus, dass die gigantischen Stimulusmaßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie einen rasanten Aufschwung in Gang setzen würde, und das haben sie auch getan. Auf die schnellste Rezession der Geschichte folgte die schnellste Erholung der Geschichte. Jetzt fürchten die Marktteilnehmer, dass alles ein bisschen zu schnell gehen könnte. Innerhalb weniger Wochen haben die Märkte eine Abfolge von Deflation, Reflation, Stagflation und schließlich Inflation eingepreist.

Dass die Inflation im nächsten Jahr zurückgehen wird, ist nicht gesagt

Wie wir nach der Neuausrichtung der geldpolitischen Strategie der US-Notenbank (Fed) im September 2020 erwartet hatten, hat die Fed länger als ursprünglich geplant an ihrer lockeren Geldpolitik festgehalten1 . Durch die Impfkampagnen, das wachsende Haushaltsvermögen und die staatlichen Konjunkturpakete hat sich die Nachfrage sogar noch schneller erholt, als von der Fed erwartet. Die Nachfrage hat das Angebot überflügelt, was zu einer Inflation geführt hat, wie wir sie seit fast 40 Jahren nicht mehr gesehen haben.

Die Fed setzt darauf, dass die Inflation im kommenden Jahr nachlässt. Die Teuerung könnte sich jedoch als hartnäckiger erweisen. Wir analysieren vier wesentliche Treiber der aktuellen Inflation: Branchen, die von der Wiedereröffnung der Wirtschaft profitieren, den Wohnungsbau, die Löhne und die Erwartungen. In allen vier Bereichen zeigt der Trend nach oben. Mieterhöhungen sind von Dauer und können zu höheren Inflationserwartungen beitragen, die wiederum die längerfristige Inflationsdynamik verstärken. Die Zentralbanken laufen Gefahr, jetzt zu langsam zu reagieren und später ein höheres Tempo anschlagen zu müssen, was den Aufschwung abwürgen würde.

Wir gehen davon aus, dass die Wirtschaft im Jahr 2022 weiter wachsen und die Märkte stützen wird. Durch die jüngsten Lieferengpässe sind die Lagerbestände niedrig, und die Wiederauffüllung der Lager kann die Industrieproduktion stärken. Die hohen Sparreserven (in den USA etwa 10% des BIP) können den Konsum weiterhin stützen. Zur Jahresmitte dürften die höheren Lagerbestände, die nachlassende Verbrauchernachfrage, die restriktivere Geldpolitik und überzogene Bewertungen den Anlegern das Leben schwerer machen. Fazit: Anleger können weiter auf der Aktienwelle reiten und vorerst weniger Anleihen halten. Im nächsten Jahr dürften sie jedoch die Flexibilität brauchen, um das Risiko zu senken und die Duration2 zu erhöhen.
Job openings are outstripping the supply of unemployed workers, putting upward pressure on wages

Über den Horizont hinausschauen

Mit Blick auf die fernere Zukunft deuten strukturelle Verschiebungen auf ein etwas stärkeres Wachstums- und Inflationsumfeld hin. Staatliche Beihilfen zur Minderung der Pandemieauswirkungen und der Anstieg der Vermögenspreise haben vermehrte Verrentungen ermöglicht. Dadurch ist das Arbeitskräfteangebot geschrumpft, während die Löhne gestiegen sind. Die Pandemie und die Handelskonflikte haben die Schwachstellen globaler Lieferketten offengelegt. Dadurch ist es zu einer strukturellen Verschiebung von „Just-in-Time“- zu „Just-in-Case“-Modellen gekommen. Seit der Pandemie sind die Investitionsausgaben und insbesondere die Ausgaben für Forschung und Entwicklung gestiegen, was Produktivität und Wachstum fördern kann. Und schließlich kann die Notwendigkeit, die Energiewende zu finanzieren, zu zusätzlichen staatlichen Ausgaben und ‚grünen‘ Stimulusmaßnahmen führen. Eine Rückkehr zur Sparpolitik des vorausgehenden Jahrzehnts erscheint kaum denkbar.

 

Es wird einige Zeit dauern, bis diese Faktoren zum Tragen kommen. In der Summe dürften sie sich in den kommenden zehn Jahren jedoch in etwas höheren Wachstums- und Inflationsraten niederschlagen, insbesondere im Vergleich zum letzten Jahrzehnt. Unterschiedliche politische Programme dürften auch zu einer höheren Volatilität und häufigeren, heftigeren Krisen führen. In diesem Umfeld werden einfache Mischportfolios aus Aktien höherer Qualität und Anleihen mit längerer Duration wahrscheinlich nicht mehr so gut funktionieren wie bisher.

 

Das bedeutet nicht automatisch, dass Anleger keine auskömmlichen Renditen mehr erzielen können. Es erfordert aber andere Ansätze. Wie Ferris sagte: „Du stirbst nicht, dir fällt nur nichts Gutes ein, was du machen könntest“. Wir sind der Meinung, dass dies auch für Anlagestrategien gilt: Sie können immer noch gute Renditen abwerfen, brauchen dafür aber mehr Flexibilität und ein breiteres Spektrum an potenziellen Ertragsquellen.

1 https://www.jupiteram.com/uk/en/professional/insights/volte-fait-making-sense-of-feds-hawkish-turn/
2 Die Duration bezeichnet die Sensitivität einer Anleihe oder eines Anleihenfonds für Zinsänderungen. Sie wird in Jahren gemessen. Je länger die Duration einer Anleihe, desto stärker reagiert diese auf Zinsänderungen.

The Value of Active Minds– unabhängige Denkansätze: 

Ein wesentliches Merkmal des Investmentansatzes von Jupiter ist, dass wir unseren Fondsmanagern keine Hausmeinung aufdrücken, sondern ihnen die Freiheit geben, eigene Ansichten zu den Anlageklassen zu formulieren, auf die sie sich spezialisiert haben. Daher ist zu beachten, dass alle geäußerten Ansichten – einschließlich derjenigen, die sich auf Umwelt-, Sozial- und Governance-Erwägungen beziehen – die des Autors/der Autoren sind und von den Ansichten anderer Jupiter-Anlageexperten abweichen können. 

Wichtige Informationen: 

Dieses Dokument dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Wir empfehlen Ihnen, alle Anlageentscheidungen mit einem Finanzberater zu besprechen, insbesondere, wenn Sie unsicher bezüglich der Eignung einer Anlage sind. Jupiter darf keine Anlageberatung anbieten. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance. Markt- und Wechselkursschwankungen können dazu führen, dass der Wert von Anlagen steigt oder fällt, und es ist möglich, dass Sie bei der Rückgabe Ihrer Anteile nicht den vollen Anlagebetrag zurückerhalten. Die hier geäußerten Meinungen sind die der Autoren zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels. Sie stimmen nicht notwendigerweise mit den Meinungen von Jupiter insgesamt überein und können sich ändern. Das gilt insbesondere in Phasen, in denen sich das Marktumfeld sehr schnell verändert. Definitionen finden Sie im Glossar auf jupiteram.com. Obwohl alle Anstrengungen unternommen werden, um die Richtigkeit der bereitgestellten Informationen zu gewährleisten, werden diesbezüglich keine Zusicherungen oder Gewährleistungen gegeben. Die Unternehmensbeispiele dienen nur zur Illustration und sind nicht als Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren zu verstehen. Herausgegeben im Vereinigten Königreich von Jupiter Asset Management Limited (JAM), eingetragener Gesellschaftssitz: The Zig Zag Building, 70 Victoria Street, London, SW1E 6SQ, Vereinigtes Königreich, zugelassen und beaufsichtigt durch die Financial Conduct Authority. Herausgegeben in der EU von Jupiter Asset Management International S.A. (JAMI), eingetragener Gesellschaftssitz: 5, Rue Heienhaff, Senningerberg L-1736, Luxemburg, zugelassen und beaufsichtigt von der Commission de Surveillance du Secteur Financier. Für Anleger in Hongkong: Von Jupiter Asset Management (Hongkong) Limited (JAM HK) herausgegeben und nicht von der Securities and Futures Commission geprüft. Kein Teil dieses Dokuments darf ohne vorherige Genehmigung von JAM/JAMI/JAM HK reproduziert werden. 28332