Daniel March, Investment Director, Gold & Silver, schaut sich die Struktur des Goldmarktes genauer an, vor allem die hohe Abhängigkeit des täglichen Handels in diesem riesigen Markt von einem schwindenden Angebot an physischem Gold – ein Aspekt, der vielen nicht bewusst ist, seiner Ansicht nach aber potenziell wichtige Implikationen für Investoren hat.

Gold (und Silber) werden auf allen fünf Kontinenten gehandelt – rund um die Uhr, in Form von Zertifikaten, Derivaten (Futures und Optionen) oder als physisches Metall. Diese drei Kategorien decken alle Arten der Goldnachfrage ab – von institutionellen Investitionen am außerbörslichen (OTC) Market in London über den Terminhandel in New York bis hin zu physischen Großhandelskäufen in Shanghai.

Der Handelsumschlag am weltweiten Goldmarkt beträgt im Schnitt rund 200 Mrd. US-Dollar pro Tag. In Spitzenzeiten kann das Volumen aber auch wesentlich höher sein. Im Jahr 2020 wurde nach Angaben des World Gold Council jeden Tag Gold im Wert von 183 Mrd. US-Dollar gehandelt.1
Was die Aufteilung betrifft, so entfallen etwa 60% des Handelsvolumens auf den außerbörslichen Handel in London, 30% auf New York Futures, 7% auf Shanghai Futures, 2% auf Gold-ETFs und 1% auf physischen Schmuck und Barren/Münzen.

Physische Liquidität

Dass die Nachfrage nach Goldmünzen/-barren und physischem Gold für die Schmuckherstellung in Indien nur 1% des täglichen Volumens ausmacht, ist wichtig und erklärt, warum wir meinen, dass die physische Nachfrage fast nie den Goldpreis treibt. Natürlich würde sich das ändern, falls die Investoren beginnen sollten, in großem Stil physisches Gold zu kaufen. Mehr dazu später.

Falling real yields mean a higher gold price

Global Gold Market % Share (*estimate)

*Hinweis: Schätzungen von Jupiter auf Basis von Marktdaten

Der Londoner Goldmarkt ist der bedeutendste Markt für den Goldhandel. Grund dafür ist die Liquidität des Papiergoldhandels (Goldkontrakte, die nicht mit physischem Gold hinterlegt sind) für Banken und Institutionen, die in großem Umfang handeln möchten. Warum? Für institutionelle Investoren sind diese Kontrakte die günstigste Möglichkeit, ein Exposure im Goldpreis zu erhalten. Sie bringen jedoch auch ein unbesichertes Kreditrisiko mit sich.

 

Das OTC-Handelsvolumen in London lässt sich in vier Kategorien unterteilen:

 

  • Unter Kassagold versteht man Devisentransaktionen unter Verwendung des Devisentickers XAU. Dieser Kontrakt ist die beliebteste Handelsmethode unter den Banken und stellt einen einfachen Direktkauf von nicht zugewiesenem Metall dar, der innerhalb von zwei Geschäftstagen abgewickelt wird

  • Optionen geben dem Käufer das Recht, Gold zu einem bestimmten Ausübungspreis zu kaufen oder zu verkaufen, und werden von den Bullionbanken zum Delta-Hedging ihrer Bücher verwendet

  • Die Gold-Lease-Rate ist ein fester Zinssatz, der durch die Hinterlegung von Gold erwirtschaftet wird (das bedeutet, dass Sie entgegen der landläufigen Meinung eine Rendite mit Gold erzielen können)

  • Swap-Termingeschäfte sind Kontrakte, die es Händlern ermöglichen, ein Overnight-Engagement in ihren Büchern auszugleichen, ohne die Position direkt zu kaufen

Vier Bullionbanken

Die wichtigsten Marktakteure sind vier Banken: JPMorgan, HSBC, ICBC Standard und UBS. Mit Ausnahme von UBS haben die wichtigen Bullionbanken alle eigene Tresore.


Darüber hinaus gibt es sieben weitere Market Maker mit physischen Golddepots bei einer der vier Banken. Dies sind: BNP, Citibank, Goldman Sachs, Merrill Lynch, Morgan Stanley, Toronto-Dominion und Standard Chartered. Dies sind die wichtigsten, der LBMA (London Bullion Market Association) angehörenden Bullionbanken.

Der London ‚Float‘

Der Begriff London ‚Float‘ bezieht sich darauf, wie viel Gold in Tresoren gehalten wird, das nicht bereits zweckgebunden ist oder in Anspruch genommen wird – also „verfügbar“ ist. Von den 9.461 Tonnen Gold, die derzeit in sieben Tresoren in London gelagert werden, werden etwa 5.600 Tonnen bei der Bank of England (BOE) als offizielle Reserve für mehrere ausländische Zentralbanken gehalten.


In den Tresoren befinden sich weitere 2.300 Tonnen Gold für eine Reihe von börsengehandelten Goldfonds (ETFs) sowie schätzungsweise 500 Tonnen in den Beständen von vermögenden Privatpersonen und Family Offices. Für die tägliche Abwicklung in den Banken können weitere rund 200 Tonnen abgezogen werden. Dieser Saldierungsprozess legt nahe, dass von den ursprünglichen 9.461 Tonnen die verfügbare Goldmenge (der „Float“) höchstens etwa 800 Tonnen beträgt – was unserer Meinung nach viel weniger ist, als der Markt wahrnimmt.

Was, wenn die Nachfrage hochschnellt?

Das OTC- und Futures-dominierte LBMA-System kann nur funktionieren, wenn eine ausreichende Menge an verfügbarem Gold in den Londoner Tresoren vorhanden ist, um die 3% des täglichen Handelsvolumens in ETFs und physischen Münzen/Barren zu decken. Nachdem die Anlegernachfrage nach Gold aktuell wieder deutlich unter den Höchstständen von 2020 liegt, stellt sich die Frage, was passieren würde, wenn die Stimmung in Richtung einer Währungsmetallallokation in ETFs und physisches Gold drehen sollte. Wir beobachten die Entwicklung dieser Zahlen mit großem Interesse.


Bis auf Weiteres bleibt das synthetische Goldbanksystem für die Preisfindung von Gold zuständig. Wir sind jedoch der Meinung, dass die Fundamentaldaten von Angebot und Nachfrage in den Vordergrund treten werden, wenn die dem Markt verfügbare Menge an physischem Gold die ETF-, Münzen/Barren- und Schmucknachfrage nicht mehr decken kann. Die einzige Abhilfe für einen Mangel an physischem Gold wären wesentlich höhere Preise, um diese Ungleichgewichte auszugleichen. Höhere Preise würden langfristige, zuvor nicht verfügbare Bestände zurück an den Markt locken.


Im Januar war die Nachfrage nach physischem Silber stark gestiegen und wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend in diesem Jahr fortsetzen könnte. Der Anstieg der Nachfrage nach physischem Silber hat zu Nervosität am Silbermarkt geführt. Unserer Ansicht nach spricht viel dafür, dass etwas Ähnliches mit Gold passieren würde, wenn die Investoren von Papiergold abrücken und vermehrt auf physisches Gold setzen sollten. Ein noch stärkerer Rückgang der Realzinsen ins Minus könnte ausreichen, um eine solche Bewegung anzustoßen.


Ein weiterer Faktor, der die Goldbestände der LBMA unter Druck setzen könnte, sind die bevorstehenden Regulierungsänderungen durch das Basel-III-Regelwerk, auf die das Gold and Silver Team im nächsten Beitrag unserer Reihe näher eingehen wird.

[1] https://www.gold.org/goldhub/data/trading-volumes

[2] https://www.lbma.org.uk/prices-and-data/london-vault-holdings-data

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